Begegnungen im Raum
ahe Bad Berleburg. Das Stadtmuseum am Goetheplatz zeigt bis zum 14. Februar neue Arbeiten des Siegener Künstler Benno Derda. Die Ausstellung mit dem Titel „Näherung“ organisierte die Stadtkuratorin Rikarde Riedesel in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler. Zu sehen sind rund 30 zum Teil großformatige druckgrafische Arbeiten aus den letzten drei Jahren.
Zunächst überrascht, dass Derda seinen Arbeiten keine Titel schenkt. Aber auch nicht bewusst auf sie verzichtet. Er nennt seine Werke nachdem, was sie sind: Druckgrafiken verschiedener Techniken, entstanden in dem und dem Jahr. Das wirkt zunächst etwas spröde, hält zugleich aber eine überraschende Direktheit für den Betrachter offen, die es ihm erlaubt, ohne Übertragung eines so und so Titels seine Aufmerksamkeit direkt auf das Ergebnis vor ihm zu richten.
Im Vordergrund aller in Bad Berleburg gezeigten Arbeiten steht jeweils der technische Prozess. Benno Derdas Druckgrafiken sind Momentaufnahmen eines komplizierten, manchmal auch mühsamen Druckprozesses, der sich kalkulieren, sicher aber nicht bestimmen lässt. Der Betrachter geht mit Derda auf die Reise, lässt sich von Moment zu Moment in einem Geflecht von Balken und Formen, Lichtungen und Begrenzungen, Farben und Freiräumen führen, hinein, in das, was sich hinter dem Offensichtlichen zeigt, in das Spiel des Augenblicks. Und der ist immer da, stets präsent, neu und uneinnehmbar.
Benno Derda ist ausgebildet in diversen Drucktechniken, er ist aber auch Maler und Bildhauer. Und diese Trias an Fertigkeiten fließt ohne Grenzziehung in sein Schaffen ein. Der in Siegen ausgebildete Künstler, Jahrgang 1968, lebt und arbeitet in Siegen. Er unterrichtet das Fach Druckgrafik an der Siegener Universität und arbeitet als freischaffender Künstler. Seit 2002 ist er Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstler. Zwei Jahre später wurde er Mitglied im Kunstverein Siegen.
Franz-Josef Weber, Geschäftsführer des Kunstverein Siegens, war es auch, der am Abend der Vernissage kenntnisreich in das Werk von Benno Derda einführte. Er übermittelte einen Einblick in das direkte Tun des Künstlers in seinem Atelier, schilderte das Drucken an seiner eigenen Druckerpresse, beschrieb die Vorgänge des Ritzens und Ätzens der Druckplatten einer Radierung oder die des Holzschnitts, für die Derda auch gerne alte Zimmertüren oder solche von Kleiderschränken von irgendwo her auftreibt und in seine Arbeit integriert. Das, was er dann in den Druckstock überträgt, ritzt, schneidet und aushebt, hat für Derda sehr bildhauerische Qualitäten, die er auch zeigen möchte. In Bad Berleburg ist in der oberen Etage des Museums so ein großformatiger Druckstock zu sehen.
Derda druckt direkt auf unbehandelte Leinwände und auf hochwertiges Japanpapier. Der Trägergrund ist also in einem unberührten Zustand, wenn er den kostbaren Moment des Aufdrückens auffängt. Auch hier wird wieder die Bedeutung des Prozesshaften, das sich Annähern an das, was da zum Vorschein kommen möchte, das Experimentelle und Spielerische auch, im Werk von Derda deutlich. Derda druckt in Schichten, manchmal farbig, dann wieder schwarz-weiß und allen seinen Schattierungen. Es ist immer wieder der Moment der Annäherung, der anschließend als Moment des Prozesshaften sichtbar bleibt. Das kennzeichnet seine Arbeiten, in denen eine große Kraft und Dynamik wirken.
Was sich dann im Einzelnen zeigt, welche Begegnungen im Bildraum den Betrachter erwarten, welche ihn erreichen, ist im Einzelnen schwer zu bestimmen. Es ist sicher der Raum und dann der jeweilige Kontext, der sich darum bildet, der im erzeugten Werk vorhandene, aber auch der vom Betrachter mitgebrachte, der die Arbeiten von Benno Derda prägt. Es sind seine Erfahrungen und Prägungen, die sich ungeschminkt zeigen, die aber auch in Kontakt treten wollen mit dem, was sich hinter dem Gezeigten offenbart. Die Werke Derdas laden dazu ein, dahin mitzugehen.
Quelle: Siegener Zeitung