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Presseartikel der Siegener Zeitung: 
Eine Kraft aus Luft, Licht und Wolken

Der Kölner Maler und Segler Peter Möbus zu Gast in Bad Berleburg

ahe Bad Berleburg. Im Berleburger Stadtmuseum am Goetheplatz eröffnete am Donnerstagabend eine Werkschau mit Arbeiten des Kölner Malers Peter Möbus. Im Zentrum der Ausstellung, die den Titel „Landschaften. Zwischen den Horizonten“ trägt, stehen Möbus großformatige Bilder aus seinem aktuellen Projekt „Erster Weltkrieg/Etudes Tableaux“. Darin setzt sich der Maler mit Landschaften des ersten Weltkriegs auseinander. Außerdem werden in der Werkschau frühere Gemälde und Pastelle gezeigt, die teils zu Wasser, teils auf dem Land entstanden. Landschaften, bei denen das „Dazwischen“ interessiert, das, was zwischen Himmel und Erde, Himmel und Wasser ist, das nicht Greifbare und doch durch Bewegung Spürbare: Das Atmosphärische, ein Gemisch aus Luft, Licht und Wolken. Die Ausstellung, kuratiert von der städtischen Kulturbeauftragten Rikarde Riedsesel, ist bis zum 27.Februar immer dienstags und freitags bis sonntags zu sehen.

Peter Möbus ist nicht nur Maler, sondern auch Musiker und passionierter Segler. Mit seiner alten Yacht, einer Gaffelketsch von 1928, die ihm zwischenzeitlich auch als Atelier dient, schippert er am liebsten durch die Lande. Dabei entstehen seit Jahren kleinformatige Pastelle, die etwas Serielles prägt wegen des immer gleichen Formats und der horizontalen Ausrichtung. Das Pastellmalen ist für Möbus wie für andere das Reisetagebuch schreiben: Skizzenhaft werden Eindrücke mit wenigen Strichen auf Papier gebannt: Bemerkenswertes aus Berlin, Köln, Stralsund und immer wieder Frankreich – und hier am liebsten die Bretagne – wird so mitgenommen, um das Reisefragment vielleicht auch später einmal zu zeigen.

In Frankreich reifte auch die Idee zur Auseinandersetzung mit den Bildern des Ersten Weltkriegs. Möbus erzählt, dass ihn das Thema seit seiner Kindheit beschäftigt. Seine inneren Bilder speisten die Älteren in seinem Umfeld. Bei der Auseinandersetzung mit dem „Großen Krieg“ von 1914-1918 arbeite er viel ab, äußert Möbus, wobei es ihm in seinen Werken weniger um die Dekuvrierung des Festgehaltenen und Sichtbaren geht, als vielmehr um ein Verdecken, ein „Zudecken“ wie er es nennt, das mit dem Abstand einer fast 100jähirgen Distanz auch etwas Heilendes intendiert.
Der Erste Weltkrieg mit all seiner Hybris, seinen Gräueltaten und 17 Millionen Toten riss tiefe Wunden in die Ordnung des alten Europas. Mit ihren Narben leben wir bis heute. Kriegsfotografen haben Eindrücke aus dem Krieg mitgebracht wie sie in den „Imprints of War“ beispielsweise archiviert sind. Möbus montiert via Digitaldruck diese Zeugnisse auf Leinwand und setzt über die berstenden Panzer, Schützengräben und Küstenstreifen sein Material. Er nähert sich den Aufnahmen mit Temperafarben und Harzen, wobei die Farbe Blau dominiert, die bisweilen ins Schwarze kippt oder sich in einem hellen Ton eines diffusen Morgendunstes auflöst. So entstehen Farbkonvulsionen von starker Kraft und Dynamik, die einen Sog im Bildgeschehen entwickeln, die dann erhellend wie eine Apotheose inmitten des grausigen Geschehens wirken. Es ist das wirklich bemerkenswerte Leuchten der Farben, die der Maler Peter Möbus in das Dokument setzt, dass dem Festgehaltenen so etwas wie eine neue Kraft verleiht, sich aus sich selbst zu erneuern.

Das Projekt „Erster Weltkrieg/EtudesTableaux“ entwickelte Möbus zusammen mit dem Konzertpianisten Friedrich Höricke. Premiere feierte es vor knapp drei Jahren im Berliner Café Einstein: Möbus zeigte seine Bilder und Höricke interpretierte die 1916 entstandenen „EtudesTableaux“ von Rachmaninoff.

Peter Möbus ist ein Verehrer des Großmeisters des Lichts der europäischen Kunstgeschichte, William Turner. Und seine Werke zeigen, dass er die Arbeiten seines britischen Kollegen gut studiert hat. Über die Art der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert ist er zudem zwei anderen Kunstschaffenden nahe: Anselm Kiefer und W.G. Sebald.