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"Wer macht mit...?" Alte Kinderspiele aus Westfalen ausgestellt im Museum der Stadt BLB

Bad Berleburg. (cs) Noch vor wenigen Jahrzehnten fanden sich auf den Straßen und in den Hinterhöfen der Städte erheblich mehr Kinder, die dort spielten, als dies in der heutigen Zeit der Fall ist. Vielerlei Gründe liegen dafür zugrunde: zum einen waren es beengte Wohnverhältnisse, fehlende Kinderzimmer und die Anzahl der Kinder, die teils wie die Orgelpfeifen die Familien bereicherten, benötigten ihren Freiraum auch natürlich fernab der steten Aufsicht der Eltern.
 
Der Erfindungsreichtum für den Bau von Spielsachen aller Art und das Ersinnen virtueller Spiele noch bis in die 1960-er Jahre mit einfachen Hilfsmitteln und Materialien war enorm. Die Wanderausstellung „Wer macht mit“ des LWL-Museumsamtes für Westfalen in Münster, die mit dem Museum der Stadt Bad Berleburg die vierte Station eröffnet hat, hat bereits zur Vernissage viele Menschen aller Altersstufen neugierig gemacht.
Berleburgs stellvertretender Bürgermeister Hermann Kaiser schwelgte geradezu mit leuchtenden Augen in den Exponaten und fand so manchen Anknüpfungspunkt an die eigene Kindheit in Wittgenstein. Das Bedauern über den Wegfall und die in Vergessenheit geratenen Kinderspiele ließ bei dem Politiker leichte Wehmut aufkommen und Hermann Kaiser betonte mit Nachdruck die Wichtigkeit auf die Erinnerung und
die Betrachtung der pädagogischen Wertigkeit der Spiele. Seinen eigenen Favouriten aus den 40-er Jahren stellt er dem Museum als Objekt zur Verfügung und schenkt es dem LWL-Museumsamt in Münster. Das „Hippe-Pinchen“ ist ein Spiel mit Ziegelsteinen und Stöckchen, das mit einem weiteren
Stecken möglichst weit geschlagen werden musste. Eine Beschäftigung, die ganze Nachmittage ohne Langeweile füllte.
Doch Ulrich Neseker, Referent für Museumspädagogik des LWL-Museumsamtes fordert die Anwesenden auf, nicht nur anzuschauen, sondern die Vergangenheit neu aufleben zu lassen, selbst auszuprobieren und Erfahrungen unter den Generationen auszutauschen.
Früher, das bedeutet auch für ihn als 53-Jährigen, noch das Spielen ohne „online“ zu sein, ohne die Playstation oder den Nintendo. Kinder machten es sich zu eigen, für jede Jahreszeit passend speziellen Zeitvertreib zu erzielen. Fast überall fehlten die finanziellen Mittel für teure, gefertigte Spielwaren.
Gegliedert ist die Wanderausstellung in vier Teilbereiche: in die historische Entwicklung von Spielen, das größtenteils im Freien stattfindende Spielemiteinander, das Spiel im Haus und die Thematik vom Vater gebastelt. In der Historie weiß Ulrich Neseker besonders auf das Brettspiel „Monopoly“ hinzuweisen, das bereits viele Seiten erlebt hat, sogar vom Propagandaminister des Dritten Reiches, Joseph Goebbels, als dekadent-jüdisch strikt verboten wurde. Das Spiel „lebt“ heute noch, ist erfolgreich mit Städte- und Straßenbezeichnungen fast jeder deutschen Großstadt.
Ein Griff in die alte römische Vergangenheit zeigt ein nachgebildetes Mühle-Spiel, ein Halma- und Solitair-Spiel auf Holzklötzchen von 1975, ein selbstgemaltes Memory-Kartenspiel aus 1953 und diverse Geschicklichkeitsspiele wie das Bickeln mit Schafsknochen, das besonders bei Mädchen in den 1950-er sehr populär war.
Eine besondere Betonung legt Ulrich Neseke auf die soziale Komponente der Kinderspiele und gibt zu bedenken, dass pädagogisch und natürlich von physiologischer Seite Kinder in früheren Jahrzehnten und Zeitaltern weit mehr körperliche Ertüchtigung erfuhren als aktuell.
 
Die Ausstellung hat ihren Platz noch bis zum 15. Januar 2012 in den Räumen des Museums der Stadt Bad Berleburg, wo besonders lohnenswert zu besuchen die eigene Dauerausstellung Berleburger Spielsachen im Obergeschoss des Hauses ist.

Quelle: Westfalenpost