Die Marburger Straße - das Scheunenviertel im Wandel
Die Marburger Straße, heute Emil-Wolff-Straße, gehört zu den wichtigsten Verkehrsachsen in Bad Berleburg. Sie verbindet die Stadt mit dem Edertal und führt in Richtung Marburg.
Bogenbrücke
Ober- und Unterstadt werden in Bad Berleburg an verschiedenen Stellen durch Brücken über die Odeborn verbunden, wobei die Bogenbrücke an der Marburger Straße zu den Hauptbrücken gehört. Zunächst handelte es sich um eine einfache Holzkonstruktion, die 1794 durch einen massiven Steinbau ersetzt wurde. Die charakteristischen Bögen brachten der Brücke auch ihren Namen ein: Bogenbrücke. Der Bau aus Stein sicherte die Überquerung der Odeborn unabhängig von der Jahreszeit. Der hölzerne Vorgänger musste nach jedem Winter repariert werden, oft wurde er durch Eisgang oder Hochwasser sogar vollständig zerstört. Reparaturen und Brückenbau oblagen sowohl dem Fürsten als auch den Bürgerinnen und Bürgern. Alte Verträge weisen darauf hin, dass der Fürst verpflichtet war, Holz zum Bau und Unterhalt der Berleburger Brücken zu Verfügung zu stellen. Dies war nach dem Brand 1825 äußerst schwierig, noch 1836 fehlte das benötigte Eichenholz. 1975 wurde die Odeborn im Rahmen des Hochwasserschutzes reguliert und das benachbarte Wohnviertel saniert. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde die Bogenbrücke, die das Stadtbild so lange geprägt hat, durch eine neue Konstruktion ersetzt.
Gasthof “Zum Weißen Ross”
An Straßen, die verschiedene Städte miteinander verbanden, befanden sich häufig auch Gasthöfe. Sie boten Reisenden Verpflegung und Unterkunft. In Bad Berleburg befindet sich an der ehemaligen Marburger Straße der älteste Gasthof der Stadt: “Zum Weißen Ross”. Allerdings wurde hier nicht nur getrunken und gegessen: Es ist gesichert, dass der Gasthof auch als Werbestation im Siebenjährigen Krieg fungierte. Kaiserliche Werbeoffiziere heuerten hier Wittgensteiner Burschen für den Krieg an, in dem Preußen und Großbritannien gegen eine Allianz aus der Habsburgermonarchie, dem Heiligen Römischen Reich sowie Frankreich, Russland und Spanien kämpften.
Scheunenviertel
Erste Scheunen wurden 1549 jenseits der Odeborn errichtet. Zwei Jahre zuvor war fast die ganze Stadt abgebrannt. Heu und Stroh sollten danach nicht mehr in der Oberstadt gelagert werden, um das Ausbreiten neuer Brände möglichst zu verhindern. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs das Scheunenviertel auf 80 bis 100 Scheunen an, in denen landwirtschaftliche Erzeugnisse, Geräte und Maschinen gelagert wurden. Die Stallungen blieben jedoch bei den Wohnhäusern, weshalb das Viehfutter über die Brücken transportiert werden musste. Die Scheunen wurden ohne Abstand gebaut, meist waren es strohgedeckte Fachwerkbauten. Der fehlende Brandschutz führte dazu, dass das Feuer im Juli 1874 verheerende Folgen hatte: 110 Gebäude brannten nieder, darunter auch 17 Wohnhäuser. Mit den Bauten wurden auch die Heuernte, das eingelagerte Stroh sowie viele Geräte zerstört. Viele der Gebäude waren noch mit Hypotheken belastet, die vom Aufbau nach dem Brand 1825 resultierten und auch die Leistungen der Versicherungen reichten nicht aus. Ein eigens gegründetes Hilfskomitee sammelte bis zum Dezember 1874 über 8.000 Reichstaler, kümmerte sich aber auch um Wohnraum für die Geschädigten sowie um Futter, Stroh und Heu für das Vieh.