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Der jüdische Friedhof am Berlebach - ein Ort mit langer Geschichte

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts waren Jüd*innen nachweislich in Bad Berleburg ansässig. Dabei handelte es sich um Personen, die unter dem Schutz der gräflichen Familie standen – ein Schutz, für den sie Abgaben an die Grafen zu entrichten hatten. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts wuchs die Zahl der jüdischen Familien langsam, aber stetig. Im 18. Jahrhundert war eine kleine Gemeinde entstanden, die eine eigene Synagoge unterhielt, zu der auch ein Schulraum gehörte.

Ein erster eigener Friedhof

Seit etwa 1750 hatte die Gemeinde auch einen eigenen kleinen Friedhof. Zuvor hatten die jüdischen Familien ihre Verstorbenen auf den Friedhöfen der benachbarten Gemeinden in Hessen bestattet. Der Berleburger Friedhof wurde auf einem Grundstück nordwestlich des Schlosses am Berlebach angelegt. Da die umliegenden Grundstücke laut Urkataster von 1851 der „Standesherrschaft“ gehörten, ist anzunehmen, dass die jüdische Gemeinde den Grafen das Friedhofsgrundstück abgekauft hatte. 1868 wurde der Friedhof erweitert, um Platz für weitere Bestattungen zu schaffen. Für diese Erweiterung tauschte die jüdische Gemeinde einen „Garten in der Aue“ gegen eine südöstlich des Hanggrundstücks gelegene Parzelle, auf der ab 1871 bestattet wurde.

Über 300 Gräber

Der älteste Grabstein des Friedhofs stammt aus dem Jahre 1763 oder 1764. Er trägt die Jahreszahl 5524, folgte also dem jüdischen Kalender. Heute sind noch 44 Gräberstellen auf dem Friedhof am Berlebach nachweisbar. Vermutlich wurden jedoch nach und nach über 300 Gräber angelegt. Eine Systematik bei der Belegung des Friedhofs lässt sich nicht erkennen. Die erhaltenen Grabsteine variieren in Material und Qualität enorm: Einfache, stark verwitterte Schieferstelen lassen sich ebenso entdecken wie Marmorsäulen. Auch zwei gusseiserne Grabsteine finden sich auf dem Friedhof – sehr untypisch für jüdischen Friedhöfe der Region und eine echte Besonderheit! Die Inschriften der älteren Grabsteine sind in hebräischer Sprache gehalten. Die jüngeren sind auf deutsch beschriftet – ein Zeichen fortschreitender Integration und Emanzipation der jüdischen Bürger*innen.

Schließung und späterer Verlust

Nachdem im Jahre 1905 der Friedhof vollständig belegt war, wurde er geschlossen. Die jüdische Gemeinde erhielt ein eigenes Gräberfeld auf dem städtischen Friedhof am Sengelsberg. In der NS-Zeit musste die jüdische Gemeinde den Friedhof aufgeben: 1942 wurde er an die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke verkauft. 1952 beantragte die Jewish Trust Corporation die Rückgabe des Friedhofes, seit 1958 gehört er dem Landesverband der Jüdischen Kultusgemeinden von Westfalen-Lippe.

Ein Mahnmal für die Opfer der Schoa

Im Jahr 2000 wurde am Eingang des Friedhofs ein Mahnmal für die Opfer der Schoah errichtet. Es trägt die Namen der Ermordeten.

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