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Die jüdische Gemeinde in Berleburg - die Synagoge

Seit 1729 ist eine jüdische Gemeinde in Bad Berleburg schriftlich belegt. Eine eigene Synagoge stand dieser Gemeinde noch nicht zur Verfügung. Vermutlich nutzte sie Beträume, die sich in Privathäusern befanden.

Erste Synagoge in der Ederstraße

Um 1800 wurde eine erste Synagoge errichtet. Damals lebten rund 100 Personen jüdischen Glaubens in der Stadt. Die Synagoge wurde als Anbau an das Haus der Familie Blumenthal errichtet. Neben dem Raum für den Gottesdienst beherbergte es eine Lehrerwohnung und ein Klassenzimmer, in dem die Kinder der Gemeinde sowie zeitweise auch die aus Nachbargemeinden Religionsunterricht erhielten. Die Gemeinde bemühte sich auch um die Einrichtung einer eigenen Elementarschule, was aber erst 1842 gelang. Für den Unterricht wurden nun Räumlichkeiten angemietet.

Die neue Synagoge

1825 fiel die Synagoge in der Ederstraße dem Stadtbrand zum Opfer. Der Gemeinde wurden daraufhin zwei Grundstücke zum Neubau des Gotteshauses angeboten. Beide wurden abgelehnt, da die Anlage einer Mikwe auf dem einen zu aufwendig und damit auch zu kostspielig, und das andere zu weit abgelegen war. Dieses befand sich in der Nähe des jüdischen Friedhofs am Berlebach – da die Gemeindemitglieder jedoch mehrheitlich in der Unterstadt wohnten, kam das Grundstück nicht in Frage. 1831 wurde schließlich ein Grundstück in der damaligen Mittelstraße – heute Jakob-Nolde-Straße – erworben. Der Bau der Synagoge erfolgte von 1834 bis 1835 und wurde durch eine neugegründete Synagogengesellschaft finanziert. Dies sollte in den nachfolgenden Jahrzehnten zu anhaltenden Streitigkeiten führen: Die Mitglieder der Gesellschaft waren persönlich verpflichtet, die für den Bau aufgenommenen Kredite zurückzuzahlen. Verstarb ein Mitglied, weigerten sich die Erben oft, die Kreditschulden zu übernehmen. Erst eine großzügige Geldspende des in die USA ausgewanderten Kaufmanns Emil Wolff und seiner Familie machte die Begleichung der Schulden möglich. 1860 und um 1900 wurde die Synagoge renoviert – die zweite Renovierung erfolgte auch mit Mitteln der Familie Wolff. Nachdem alle Schulden beglichen waren, konnte die Synagoge im Jahre 1900 in den Besitz der jüdischen Gemeinde übergehen. Eine Zeitzeugin, die als junges Mädchen die Synagoge besucht hatte, beschrieb sie als einen im inneren schlichten Bau mit einem Thora-Schrein hinter einem roten, mit Goldfäden durchwirkten Samtvorhang und einem großen, funkelnden Kronleuchter in der Mitte des Raumes.

Plünderung und Verkauf

Während der Pogromnacht am 09.11.1938 wurde die Synagoge von einer Menschenmenge angegriffen, verwüstet und geplündert. Religiöse Gegenstände und Mobiliar wurden nach draußen geworfen und anschließend auf dem Marktplatz verbrannt. Zahlreiche Männer der jüdischen Gemeinde wurden in dieser Nacht verhaftet und in Konzentrationslager verbracht.Im März des folgenden Jahres war der Vorsteher der Synagoge gezwungen, das Gebäude an einen örtlichen Kaufmann zu veräußern. Es erfolgte ein Weiterverkauf an einen Berleburger Bürger, der das Gebäude zu einem Wohnhaus umbauen ließ. Heute gibt es keine jüdische Gemeinde mehr in Bad Berleburg. Die jüdischen Bewohnenden, die ihre Heimat nicht verlassen hatten, wurden deportiert und ermordet. Nur ein Gemeindemitglied aus Berleburg überlebte den Holocaust und wurde auf dem jüdischen Gräberfeld des städtischen Friedhofs beigesetzt.

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