Inhalt

Der Goetheplatz - Ort bürgerlichen Lebens

Über Jahrhunderte war der heutige Goetheplatz, der im Laufe seiner Geschichte unter anderem auch die Namen Kirchplatz oder Marktplatz trug, Zentrum des bürgerlichen Lebens Berleburgs. Er liegt in direkter Nähe zum fürstlichen Schloss und war einst Standort des Rathauses und der Stadtkirche.

Die Berleburger Stadtkirche

Die Kirche, die fast 300 Jahre am heutigen Goetheplatz stand, war die zweite Kirche Berleburgs. Die erste war zuvor auf dem Gelände des Schlosses errichtet worden. Sie trug jedoch beim Stadtbrand von 1547 erheblichen Schaden davon und musste abgerissen werden. Stehen blieb lediglich der Kirchturm, unter dem sich auch die Gruft der gräflichen Familie befand. 1574 begann man mit dem Bau einer neuen Stadtkirche direkt vor dem Torhaus des Schlosses. Zwei Jahrzehnte verfügte die Berleburger Gemeinde über kein funktionsfähiges Gotteshaus – die Gottesdienste wurden in dieser Zeit im Rathaus abgehalten. Die zweite Berleburger Stadtkirche war ein kompakter Bau mit einem Turm mit Zwiebelhaube in der Mitte des Querhauses. Im Inneren wurden zwei Emporen eingebaut. Ein eigener Bereich war für die gräfliche Familie vorgesehen. Im 18. Jahrhundert wurde dieser Bereich ins Obergeschoss der Kirche verlegt. Um ihn zu erreichen, musste eine hohe Treppe an der Nordwand der Kirche hinaufgestiegen werden, die extra für diese Zwecke angebaut worden war. Die neue Kirche barg auch eine in den Fels geschlagene Gruft für die Mitglieder der fürstlichen Familie. Als der Kirchturm der Vorgängerkirche im 18. Jahrhundert dem Neubau des linken Schlossflügels weichen musste, wurde die darunter liegende Gruft aufgelassen und die Gebeine der Verstorbenen in die neue Gruft überführt. Den Stadtbrand 1825 überstand die Kirche ohne Schaden. Jedoch war sie zu diesem Zeitpunkt aufgrund fehlender Instandhaltungsmaßnahmen extrem baufällig. Ein Neubau überwog die Vorteile einer Sanierung der Kirche, weshalb die Gemeinde letztlich die Entscheidung traf, dieses Bauvorhaben anzugehen. Nun entbrannte eine lange Auseinandersetzung darüber, ob die neue Kirche am Standort der alten oder an einem anderen Ort – favorisiert wurde der Platz Auf dem Schirm – errichtet werden sollte. Zwar bot der Fürst an, das Torhaus abreißen zu lassen, um Platz für eine größere Kirche zu schaffen, doch nach langer Diskussion und einem königlichen Machtwort aus Berlin fiel die Wahl auf den neuen Standort "Auf dem Schirm", wo seither die dritte Berleburger Stadtkirche thront. Die alte Kirche wurde unterdessen wegen Baufälligkeit geschlossen, die Glocken auf einem Holzgerüst neben der Kirche aufgehangen und die Gemeinde lauschte fortan dem Gottesdienst in der Kapelle auf dem Friedhof am Sengelsberg. Der Abbruch der Kirche erfolgte 1838/39, die fürstliche Gruft unterhalb der Kirche wurde zunächst gesichert, 1856 aber dann ebenfalls aufgelassen. Die Gebeine der Verstorbenen wurden auf das fürstliche Gräberfeld auf dem Friedhof am Sengelsberg überführt und die ehemalige Krypta mit Schutt verfüllt. 2020 wurde die Krypta im Zuge archäologischer Grabungen freigelegt. Dabei fand man auf der freigelegten Treppe eine Münze aus dem 19. Jahrhundert. Vielleicht hatte sie eine*r der letzten Besucher*innen der Krypta dort verloren.

Das Rathaus

Einige Jahre vor dem Bau der zweiten Stadtkirche errichtete man ein Rathaus am heutigen Goetheplatz. Das 1559 begonnene Bauwerk war zweigeschossig und wurde aus Fachwerk errichtet. An einigen ausgewählten Stellen kam auch Bruchstein zum Einsatz. Das Dach war mit Schiefer gedeckt. Im Obergeschoss des Hauses befand sich der Ratssaal – wie die Funktion der weiteren Räume aussah, ist nicht überliefert. Das Erdgeschoss beherbergte eine Feuerspritze, weitere Gerätschaften zu Feuerbekämpfung und das Gefängnis. An der Außenseite des Gebäudes befand sich der Pranger mit Halseisen, an dem Verurteilte der Menge zur Schau und Hohn, Spott und Angriffen freigegeben wurden. Das Rathaus brannte beim Stadtbrand 1825 ab. Ein Neues wurde 1832 an der Schlossstraße errichtet. Heute beherbergt es die Musikschule.

Brunnen und Denkmal

Unterhalb des Standortes des ehemaligen Rathauses ist schon durch frühe Quellen ein Wasserbecken, gespeist durch Holzrohre, belegt. Das Wasser, dessen mangelnde Sauberkeit immer wieder beklagt wurde, diente der Versorgung von Mensch und Tier. Ein Eintrag in die Stadtchronik aus dem 18. Jahrhundert besagt, dass in der Mitte des Beckens die Statue einer Bärin stand – das Wappentier der Stadt. Als nach dem Abbruch der Stadtkirche der Platz umgestaltet wurde, wurde 1856 auch ein neuer Brunnen gebaut, der jedoch nur bis 1901 Bestand hatte. Im Zuge der Errichtung des Denkmals für die Gefallenen der Kriege 1864/66 und 1870/71 musste der viereckige Brunnen, in dessen Mitte eine Säule mit der Statue eines Zwerges stand, weichen. Er wurde durch ein rundes Becken mit Fontäne ersetzt. Im neuen Brunnen fand der Zwerg bis in die 1940er Jahre wieder einen Platz. Im Rahmen einer Sanierung wurde der Zwerg in den 1940er Jahren demontiert und durch zwei Putten aus dem Garten des jüdischen Kaufmanns Markus Wolff ersetzt. Das heutige Wasserspiel zeigt seit 2021 die Umrisse Bad Berleburgs mit den Flüssen Eder und Odeborn. Das Kriegerdenkmal mit einem Relief Kaiser Wilhelms I., gekrönt von einem großen Adler, wurde 2023 zu einem Friedensdenkmal umgewidmet. Eine Glasstele zeigt das Wort „Frieden“ in verschiedenen Sprachen, weitere Stelen tragen Zitate zum Frieden. Entwickelt wurde es gemeinsam von Stadt und Kirchengemeinde und setzt auf dem geschichtsträchtigen Platz ein hoffnungsvolles Zeichen.

Bildergalerie