Inhalt

Der Goetheplatz - Geschichte und Wandel im Herzen Bad Berleburgs

Das Bild, mit dem sich der Stadtkern des modernen Bad Berleburgs heute Gästen präsentiert, geht auf den Wiederaufbau der Stadt nach der Brandkatastrophe 1825 zurück. Damals vernichtete ein verheerendes Feuer fast alle Gebäude der Ober- und Unterstadt.

Planvoller Wiederaufbau

Der Wiederaufbau erfolgte nach einem detaillierten Konzept: Im Auftrag der Stadt entwickelte eine Wiederaufbaukommission einen sogenannten „Retablissementplan“, also einen Wiederaufbauplan. Dieser sah vor, Wohn- und Geschäftshäuser nun in einem größeren Abstand zueinander zu errichten, um so beim erneuten Ausbruch eines Feuers ein Übergreifen des Brandes möglichst zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Diese neue Bebauung mit einem Sicherheitsabstand zwischen den Häusern führte zu einem schnellen Anwachsen der Stadt über ihre ehemals langsam gewachsenen Ausdehnungen hinaus.

Von den Flammen verschont

Aus dem Retablissementsplan geht auch hervor, dass nur ein sehr kleiner Bereich der Stadt den Brand einigermaßen unbeschadet überstand: Am heutigen Goetheplatz waren es nur zwei Häuser und die damals dort gelegene Stadtkirche. Das nahegelegene Schloss blieb ebenfalls von den Flammen verschont. Im Laufe der Geschichte trug dieser Platz verschiedene Namen und war unter anderem als Kirchplatz oder Marktplatz bekannt, bis er 1945 seinen heutigen Namen bekam. Über Jahrhunderte galt er mit Stadtkirche und Rathaus als bürgerlicher Mittelpunkt der Stadt, bis sich dieser durch die Ansiedlung von Landratsamt, Krankenhaus und Schule Ende des 19. Jahrhunderts an die Poststraße verschob. Die unmittelbare Nähe zum fürstlichen Schloss prägt den Platz, der fast in der Mitte der beiden Stadttore Berleburgs angelegt wurde, bis heute. Im 16. Jahrhundert entstanden das bis heute vorhandene Torhaus, das nicht mehr existierende Rathaus und die zweite Stadtkirche, die heute ebenfalls aus dem Stadtbild verschwunden ist und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der heutigen Stadtkirche "Auf dem Schirm" ersetzt wurde.

Ein Platz für den Markt

Aus dem Namen „Marktplatz“, den der Goetheplatz für einen gewissen Zeitraum trug, lässt sich bereits ableiten, dass dem Platz auch eine wirtschaftlich wichtige Funktion für Berleburg zukam. Ab 1834 wurde hier der Wochenmarkt abgehalten – gegen den Willen des damaligen Landrats, der den Platz für absolut ungeeignet erachtete. Die Marktordnung bezeichnete den Standort als „vorläufig“ und wies an, für die Markttage die sogenannte „Normal-Waage“ – also die Waage, die als Maßgabe für alle abgewogenen Produkte galt – vom Brauhaus auf den Markt zu schaffen. Vielleicht wurde auch deswegen drei Jahrzehnte später der Wochenmarkt neben das städtische Brauhaus verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Mitte der 1950er Jahre wurde der Wochenmarkt wieder auf dem jetzigen Goetheplatz abgehalten.

Zukunftsträchtig

Seit über einem Jahrzehnt bemüht man sich in Bad Berleburg darum, den Goetheplatz für die Zukunft attraktiv zu gestalten. Auch Bürger*innen wurden ausdrücklich eingeladen, ihre Vorstellungen und Wünsche einzubringen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Bevölkerung aktiv um die Gestaltung des Platzes bemüht. Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts beklagte die evangelische Kirchengemeinde, in deren Besitz der Platz sich damals in Teilen befand, dessen schlechten Zustand. Die Gemeinde schlug vor, der Stadt den Platz zu übereignen, sofern sie sich um die Instandsetzung bemühen würde. Nachdem die Stadt zunächst ablehnte und dann doch zugestimmt hatte, kam es zu einer schrittweisen Umgestaltung des Platzes, mit der eine Planierung und Pflasterung der Fläche, die Anlage eines Brunnens und eine Bepflanzung einhergingen. Am Goetheplatz mit historischer Bausubstanz, ehemaligem Kriegs- und nun Friedensmahnmal und modernem Wasserspiel – um nur einige prägende Elemente des Platzes zu nennen – ist der Wandel des abgelaufenen Jahrhunderts in Gesellschaft, Politik und Architektur Bad Berleburgs auf kleinstem Raum ablesbar.

Bildergalerie