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Der Friedhof am Sengelsberg - die Gräberfelder

Im Laufe der Jahrhunderte wurden auf dem Friedhof am Sengelsberg verschiedene Gräberfelder eingerichtet, auf denen, leicht abgeschieden von den anderen Friedhofsbereichen, Personen verschiedenster Herkunft, Vergangenheit und Religion ihre letzte Ruhestätte fanden und finden.

Das fürstliche Gräberfeld

Seit dem Jahre 1838 befindet sich auf dem Friedhof am Sengelsberg ein Gräberfeld der Familie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Über Jahrhunderte hatte die gräfliche Familie ihre verstorbenen Familienmitglieder in der Gruft unterhalb der Stadtkirche auf dem heutigen Goetheplatz bestattet. Einhundert Jahre vor Einrichtung des Gräberfeldes war Gräfin Hedwig Sophia auf eigenes Verlangen auf dem städtischen Friedhof beigesetzt worden. Weitere Familienmitglieder folgten, denn die kirchliche Familiengruft wurde langsam zu kein. 1856 wurde die Gruft schließlich aufgelassen und die sterblichen Überreste aller dort Bestatteten auf den Friedhof am Sengelsberg überführt. Ein geplantes Mausoleum wurde nicht realisiert. Auch heute noch werden die Verstorbenen der fürstlichen Familie auf dem Gräberfeld bestattet. Ab Ende des 19. Jahrhunderts war es Familien möglich, Erbbegräbnisse auf einem gesonderten Flurstück des Friedhofs zu erwerben. Dieses Gräberfeld war von der Stadt eingerichtet worden und besteht bis heute.

Jüdisches Gräberfeld

Im Nordosten des Friedhofs wurde 1906 ein Gräberfeld für die Verstorbenen der jüdischen Gemeinde angelegt, nachdem der Friedhof am Berlebach zu klein geworden war. Die weitestgehend chronologisch angelegten Gräber datieren auf die Jahre zwischen 1906 und 1971. Ursprünglich hatte das Gräberfeld einen eigenen Eingang, so dass der christliche Teil des Friedhofs von den Trauernden jüdischen Glaubens nicht betreten werden musste. 1942 war die jüdische Gemeinde gezwungen, dieses Gräberfeld und den älteren Friedhof am Berlebach zu verkaufen. Seit 1958 sind beide Friedhöfe im Besitz des Landesverbandes der Jüdischen Kultusgemeinden von Westfalen Lippe. Unter den Bestatteten auf dem Friedhof am Sengelsberg ist auch Julius Goldschmidt – eine*r von zwei jüdischen Bürger*innen Bad Berleburgs, die die Deportation ins Konzentrationslager Theresienstadt überlebten und zurückkehrten. Er wurde 1962 auf dem Friedhof beigesetzt. Das jüngste Grab aus dem Jahr 1971 ist das Ludwig Gonsenhäusers. Er wanderte 1939 nach Südafrika aus und wurde auf eigenen Wunsch in Bad Berleburg bestattet.

Gräber russischer und polnischer Zwangsarbeitender

Auf dem jüdischen Teil des Friedhofs, heute nicht mehr baulich abgetrennt, sind auch Zwangsarbeitende beigesetzt, die während des Zweiten Weltkriegs in und um Bad Berleburg arbeiten und leben mussten. 17 der 18 Gräber tragen noch Grabsteine. Die Verstorbenen waren russischer, ukrainischer, belarussischer und polnischer Herkunft. Unter den Bestatteten sind auch fünf Kinder, die wohl mit ihren Eltern nach Bad Berleburg gekommen waren und im Zuge der katastrophalen Bedingungen, unter denen sie vor Ort leben mussten, erkrankten und verstarben. Auch die Erwachsenen fielen den schlimmen Lebens- und Arbeitsbedingungen zum Opfer.

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