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Der Friedhof am Sengelsberg - die Totenkirche und ihr Umfeld

An kaum einem Ort Bad Berleburgs lassen sich die vielfältigen Facetten der Stadtgeschichte auf so komprimiertem Raum erleben wie auf dem Friedhof am Sengelsberg. Seine Geschichte reicht über 400 Jahre in die Vergangenheit zurück.

Ältere Orte der Bestattung

Im Jahre 1606 legte Berleburg im Süden der Stadt ein neues Gräberfeld an – den heutigen Friedhof am Sengelsberg. Zuvor erfolgten die Bestattungen zunächst außerhalb Berleburgs und dann neben der ersten Stadtkirche. Diese wurde Ende des 15. Jahrhunderts in der unmittelbaren Nähe des Schlosses erbaut. Die Gräber dürften sich auf dem Gelände des heutigen Schlosshofes befunden haben. Nach dem zweiten verheerenden Stadtbrand 1522, der auch die Kirche am Schloss stark in Mitleidenschaft gezogen hatte, wurden die Verstorbenen neben der Odebornskirche bestattet. Heute erinnern nur noch der Straßenname „An der Odebornskirche“ sowie ein Hügel und ein Gedenkstein unterhalb des Berleburger Krankenhauses an die Kirche und den dazugehörigen Friedhof. Da sich der Friedhof neben der Odebornskirche, der auch von den Ortschaften Schüllar und Wemlighausen genutzt wurde, im Laufe der Jahre als zu klein erwies, entschloss man sich zur Anlage des Friedhofs am Sengelsberg. Im 19. Jahrhundert wurden die freien Grabstellen auf dem Friedhof am Sengelsberg langsam knapp. Trotzdem entschloss man sich im Zuge der Neuordnung der Stadt nach dem Brand 1825, Teile des Friedhofs abzugeben und somit den Platz für Bestattungen zu reduzieren. Eine Entscheidung, die die Stadt bereits wenige Jahre später rückgängig zu machen versuchte. Gegen hohe Summen mussten nun Nachbargrundstücke aufgekauft oder unwillige Grundstückseigentümer enteignet werden.

Die Kapelle

Für den Friedhof am Sengelsberg errichtet man 1632/33 eine eigene Kapelle. Für den Unterhalt dieses „Totenkirche“ genannten Bauwerks war vermutlich die Kirchengemeinde zuständig. Als die Stadtkirche am Goetheplatz 1831 wegen Einsturzgefahr geschlossen wurde, wurden die Gottesdienste in der Friedhofskapelle abgehalten – die jedoch so baufällig war, dass zuvor sogar über ihren Abriss nachgedacht wurde. Renovierungen der Kapelle erfolgten im 19. und 20. Jahrhundert. Dabei wurde der Innenbereich der Kapelle mehrfach stark umgebaut und verändert. In den 1970er Jahren wurde der Innenraum erweitert, so dass heute mehr Sitzplätze zur Verfügung stehen. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus der Stadtkirche in die Friedhofskapelle verbracht und um die Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs ergänzt. Aufgelistet werden allerdings nur die Namen der gefallenen Gemeindemitglieder. Anfang des 21. Jahrhunderts erfolgte eine Renovierung der Fassade und des Daches. Heute ist die Kapelle auf dem Friedhof am Sengelsberg neben dem Schloss das älteste Gebäude der Stadt.

Ein Mahnmal für den Frieden

Im Norden der Kapelle wurde 1961 ein vom Bad Berleburger Künstler Wolfgang Kreutter entworfenes Mahnmal für die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs errichtet. Ein bronzenes Kreuz erhebt sich inmitten von 12 Schieferstelen. Die Stele erinnert mit ihrem gebrochenen, fast schneidend wirkenden Rand an die durch die Weltkriege erlittenen Verluste und Verwundungen. In den Schiefer sind die Jahreszahlen der Weltkriege eingraviert. Das Bronzekreuz hingegen trägt Worte aus der Bergpredigt. Inmitten der an Tod gemahnenden Stelen spendet es Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

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