Die evangelische Stadtkirche - ein neuer Standort prägt das Stadtbild
Leicht erhöht und von der Stadt abgerückt präsentiert sich seit 1859 die Stadtkirche Bad Berleburgs. Zuvor hatten die Bürger*innen der Stadt den Gottesdienst in der Kirche auf dem Goetheplatz besucht, doch bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Kirche aufgrund fehlender Instandhaltungsmaßnahmen so baufällig geworden, dass ein Neubau geplant wurde. Obwohl die Kirche beim Stadtbrand 1825 keinen Schaden nahm, empfahl die Retablissements-Kommission, also die Kommission zum Wiederaufbau der Stadt, die Umsetzung der neuen Kirche dringend in Angriff zu nehmen.
Neubau an neuer Stelle
Mit diesem Neubau ging ein Standortwechsel einher, da der ursprüngliche Platz nahe des Schlosses als zu beengt erachtet wurde. Die verheerenden Auswirkungen des Stadtbrandes hatten den Bürger*innen vor Augen geführt, dass eng an eng stehende Bauwerke, wie sie zuvor in Berleburg vorherrschten, die Ausbreitung eines Feuers besonders begünstigten. Lange gab es keine Einigkeit über den neuen Standort. Erst auf ein Machtwort König Friedrich Wilhelms III. hin entschloss man sich für einen Neubau der Kirche Auf dem Schirm. Die Baupläne des Architekten Friedrich Wilhelm Buchholtz und die Positionierung der Kirche wurden mehrfach überarbeitet und schließlich, erneut auf königlichen Befehl, von Friedrich August Stüler, einem Schüler Karl Friedrich Schinkels, finalisiert. Zu Stülers Bauwerken gehört unter anderem auch das Neue Museum in Berlin. Rund 20 Jahre nach dem Beschluss, eine neue Kirche zu errichten, kam es schließlich zur Ausschreibung der Bauunternehmung und die Kirche konnte zwischen 1857 und 1859 gebaut werden. Eingeweiht wurde sie am 12. Mai 1859. Ihr Turm ist 41 Meter hoch und beherbergt drei Glocken, von denen die älteste noch aus der Vorgängerkirche stammt und 1741 gegossen wurde. Die beiden anderen Glocken entstanden 1954. Die Orgel mit 21 Registern wurde 1975 durch ein neues Instrument mit 28 Registern ersetzt.
In neuem, hellem Glanz
Die Kirche ist ein typisch protestantischer Bau des mittleren 19. Jahrhunderts: Innen schlicht und mit wenigen Schmuckelementen, errichtet im Stil des preußischen Klassizismus mit neugotischen Anklängen wie Fensterrosette und heute nicht mehr vorhandenen Fialen. Zum Einsatz kam Bruchstein aus Grauwacke mit Elementen aus rotem Sandstein und Terrakotta. Die Wetterseite des Kirchturms ist dazu noch mit Schiefer verkleidet. Dies war eigentlich nicht Teil der Bauplanungen, doch das Gestein des Turms erwies sich als nicht widerstandsfähig genug, um dem rauen Wittgensteiner Wetter zu trotzen und zersetzte sich. Auf der Empore im Kircheninneren findet sich die Loge der Familie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Ein rundes Fenster in der Loge trägt das Familienwappen. Die Rückwand weist inzwischen wieder die ursprüngliche Farbgebung der Wände auf: einen rotbraunen Grund mit angedeuteten Quadern. Die farbige Fassung war zu Beginn des 20. Jahrhunderts weiß überstrichen worden, doch bei der grundlegenden Renovierung der Kirche 1969-1971 konnte man sich nicht dazu durchringen, die alte Farbgebung wieder herzustellen. Im Zuge dieser Renovierung wurden die Chorfenster vom westfälischen Künstler Wolfgang Kreutter neugestaltet. Sie zeigen Christus am Kreuz, die beiden Schächer und das Pfingstgeschehen. Kreutter schuf auch Altar, Taufstein und Lesepult. Die Gestaltung erfolgte in Anlehnung an die im Original erhaltene Kanzel.