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Die Ludwigsburg

Zu Beginn des 18. Jahrhundert erbaute der regierende Fürst, Graf Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg für seine jüngeren Brüder zwei herrschaftliche Häuser, die den Namen der beiden Brüder trugen: Carl Wilhelm erhielt die Carlsburg, die bei einem Brand 1860 komplett zerstört wurde. Ludwig Franz bekam die Ludwigsburg, gelegen in der Unterstadt unmittelbar am Lauf der Odeborn. Sie hat die Zeit überdauert und wurde vor wenigen Jahren aufwendig saniert. 

Errichtet in zwei Bauphasen

Der Wittgensteiner, aus Melbach bei Balde gebürtige Zimmermeister Mannus Riedesel errichtete den eindrucksvollen Fachwerkbau zwischen 1707 und 1709. 1724 ließ Graf Casimir die Anlage auf der Westseite um einen zweiten Fachwerkbau erweitern. Daran erinnert die Inschrift: „Erbaut hat mich Graf Casimir – Eintausend siebenhundert zwanzig vier.“ Das Gebäude war als Wittwensitz für seine Mutter Gräfin Hediwg Sophie bestimmt, die 1725 einzog und ihre letzten Lebensjahre bis zu ihrem Tod 1738 in der Ludwigsburg verbrachte. Später bewohnte ihr Sohn Graf Ludwig Franz das Haus mit seinen 13 Kindern.

Ein prachtvoller Fachwerkbau

Die Ludwigsburg besteht aus zwei zweigeschossigen, versetzt zueinander angeordneten Fachwerkbauten mit quadratischen Gefachen. Das rot-weiße Fachwerk ist reich geschmückt: Eckständer tragen üppige florale Schnitzereien, Geschossschwellen sind mit Akanthusblättern, Profilierungen und Schriftzügen verziert. Die schiefergedeckten Satteldächer mit Dachhäuschen prägen die Silhouette. Um 1900 entstand an der Ostseite ein hölzerner Treppenausgang mit Laufgang auf kunstvoll geschnitzten Stützen und einer umlaufenden Balusterbrüstung; aus dieser Zeit stammt auch das achteckige Türmchen an der Ecke zwischen beiden Trakten. Vermutlich war das Gebäude einst teilweise verschiefert, bevor es gegen Ende des 19. Jahrhunderts sein heutiges Erscheinungsbild erhielt.

Die Jahrhunderte überdauert

Trotz seiner Lage am Fluss und wiederkehrender Hochwasser überstand das Haus die Jahrhunderte nahezu unversehrt. Seit der Regulierung der Odeborn in den 1960er Jahren ist das Gebäude nicht mehr hochwassergefährdet. Auch mehrere Stadtbrände überstand das Ensemble. 1874 zerstörte ein verheerendes Feuer weite Teile des naheliegenden Scheunenviertels, doch unter großem Einsatz konnte die Ludwigsburg gerettet werden. Bis 1919 befand sich die Ludwigsburg im Besitz der fürstlichen Familie, dann gelangte sie in Privatbesitz. Sie bot im Laufe ihrer Geschichte zahlreichen Menschen ein zu Hause, die teilweise als Besitzende aber auch als Mietende hier wohnten.

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