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Die Carlsburg - ein Standort mit vielen Gesichtern: Residenz, Armenhaus, Krankenhaus

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts veränderte sich das Stadtbild Berleburgs maßgeblich. Der regierende Fürst, Graf Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, ließ nicht nur das Schloss ausbauen, für seine jüngeren Brüder baute er zwei herrschaftliche Häuser, die den Namen der beiden Brüder trugen: Carl Wilhelm erhielt die 1738 errichtete Carlsburg, Ludwig Franz die Ludwigsburg. Während die Ludwigsburg die Zeit überdauert hat, finden sich von der Carlsburg heute keine Spuren mehr. Sie wurde 1860 bei einem Brand komplett zerstört. Zuvor durchlebte das Anwesen eine wechselvolle Geschichte. Zum Hauptgebäude mit mehreren Wohnbereichen gehörten auch Scheune und Stallungen, verteilt auf einem Grundstück von 2400 Quadratmeter. Die Fassade des Wohnhauses war teils verschiefert, teils mit Buchenholz verkleidet. Ein Sichtfachwerk wie bei der Ludwigsburg ist nicht belegt. An der Giebelseite befand sich ein Eingang zum Wohnhaus. Ob in der Mitte der Südseite ein weiterer, repräsentativer Eingang zu finden war, ist unklar. Die beiden Etagen boten insgesamt 480 Quadratmeter Wohnfläche, zusätzlich befanden sich auch im Dachgeschoss ausgebaute Räumlichkeiten.

Anwesen überbaut

Der Platz war auch notwendig, hatte Graf Carl Wilhelm doch sieben Kinder aus zwei Ehen. Der Graf hatte ständig mit Geldsorgen zu kämpfen, denn die jährliche Apanage von 1000 Gulden, die er von seinem Bruder erhielt, reichte für seine große Familie nicht aus. Der Geldmangel machte sich auch am Gebäude bemerkbar. Reparaturen waren nicht möglich, so dass sich die Bausubstanz verschlechterte. 1770 wurde für die wachsende Familie der Sayn’sche Flügel angebaut. Graf Carl Wilhelm starb 1749, seine Familie bewohnte jedoch weiterhin die Carlsburg. 1820 lebten noch drei Gräfinnen dort. Sie führten ein offenes, großzügiges Haus, obwohl sie mit Hypotheken und Schulden belastet waren. Der bauliche Verfall war schließlich so gravierend, dass ein Abbruch in Erwägung gezogen wurde. Stattdessen wurde das Anwesen innerhalb der Familie verkauft. Zwischen 1846 und 1860 wechselte es mehrmals den Besitzer. Mit dem Stadtbrand 1825 erhielt die Carlsburg neue Bewohner: Viele Berleburgerinnen und Berleburger, die bei dem Brand alles verloren hatten, fanden hier eine Unterkunft. 1846 wurde die Provinzialstraße gebaut, die das Grundstück des Anwesens durchschnitt. Knapp zehn Jahre später, 1858, überließ Fürst Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Sayn die Carlsburg der Stadt für 20 Jahre ohne Mietforderung. Die Stadt übernahm im Gegenzug die Renovierung des Gebäudes und den Umbau zum Armenhaus. Anders als in der gräflichen Haushaltung dreißig Jahre zuvor galten nun strenge Regeln, deren Einhaltung der Hausvater kontrollierte. Doch bereits zwei Jahre später, in der Nacht vom 18. zum 19. August, brannte die Carlsburg vollständig ab. Dank der absoluten Windstille griff das Feuer auf keine anderen Gebäude in der Unterstadt über. Das Anwesen der Carlsburg wurde in den folgenden Jahrzehnten überbaut.

Die Provinzialstraße – quer durch das Tal, Verbindung ins Sauerland

Der Bau der Provinzialstraße durchschnitt das Grundstück der Carlsburg, veränderte aber auch in anderen Bereichen die Stadt. Vom Königreich Preußen geplant, verband die Provinzialstraße Berleburg nicht nur mit dem Sauerland und Siegen: Die Straße verlief auch neu und in gerader Linie durch das Tal. Gleichzeitig wurden Ende des 19. Jahrhunderts entlang der Straße die Verwaltungsgebäude gebaut: Hier fanden sich das Landratsamt, das Kreiskrankenhaus und das Kaiserliche Postamt. Letzteres gab der Straße ihren Namen: Poststraße. Heute ist die Poststraße zugleich die B 480.

Ein Krankenhaus für Berleburg – ein Arzt und zwei Schwestern

An der Poststraße wurde 1884 ein erstes Krankenhaus für Berleburg erbaut. Zur Eröffnung bot es mit 35 Betten eine Grundversorgung an, geleistet von einem Arzt und zwei Schwestern. Bis 1947 wurde das Haus auf einhundert Betten erweitert und erhielt verschiedene Stationen: Eine internistische Abteilung, eine Isolierstation sowie eine chirurgische Abteilung. Für den Ausbau wurden zwei Gebäude umgebaut: das Bahnhofshotel und das Mütterheim in Beddelhausen, die südlichste Ortschaft des heutigen Stadtgebietes. 1953 wurde das Krankenhaus an der Poststraße durch das Kreiskrankenhaus am Sähling abgelöst. Die Räumlichkeiten wurden nun von der Volksschule und dem Gymnasium genutzt. Anfang der 1960er Jahre wurde das Gebäude abgerissen, um Platz für einen Erweiterungsbau des Gymnasiums zu schaffen.

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