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Der Bahnhof - ein Bahnanschluss für Berleburg

Die Eröffnung des Bahnhofs Berleburg im Jahr 1910 markierte einen Meilenstein in der verkehrstechnischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt und der Region Wittgenstein. Das Gebiet wurde beim Streckenbau immer wieder umgangen, war es doch dünn besiedelt und mit seinen Höhen und Tälern topografisch anspruchsvoll. Die nächstgelegenen Strecken waren die 1861 eröffnete Ruhr-Sieg-Bahn und die 1883 eröffnete Strecke von Laasphe nach Marburg, die jedoch beide weit an Berleburg vorbeiführten.

Langwierige Planungen

Bereits in den 1880er Jahren gab es Planungen für eine Nebenstrecke ins nur drei Kilometer von Berleburg entfernte Raumland, hinzu kamen Überlegungen für eine Strecke von Raumland nach Frankenberg oder Winterberg, in beiden Fällen über Berleburg. Mit dieser Anbindung sollte auch der Transport des rund um Berleburg gewonnen Schiefers deutlich erleichtert werden. 1890 wurde Raumland durch eine Nebenstrecke nach Erndtebrück an das Schienennetz angeschlossen. Der Bahnhof in Raumland trug zu diesem Zeitpunkt den Namen Raumland/Berleburg, doch erst im Jahr 1900 wurde der Bau einer Bahnstrecke angeordnet, die Berleburg selbst an die Eisenbahn anschloss. Nach planerischen und finanziellen Schwierigkeiten wurde schließlich 1908 mit dem Bau der knapp vier Kilometer langen Strecke begonnen. Parallel zur Verbindung von Raumland nach Erndtebrück entstand auch eine Strecke nach Frankenberg, die sich als enormer Vorteil für die Unternehmen der Umgebung erweisen sollte. Unternehmer wie der Arfelder Schuhleistenfabrikant Hartmann mussten ihre Waren nun nicht mehr mühsam mit dem Karren zum nächsten Bahnhof schaffen, sondern profitierten von der verbesserten, nahen Streckenanbindung.

Stichstrecke nach Berleburg

Aufgrund der Lage abseits des Edertals wurde Berleburg durch eine Stichstrecke mit einem Abzweig an der Hörre an die Bahnlinie von Raumland nach Allendorf angeschlossen. Da Berleburg am Ende der Stichstrecke lag, bekam die Stadt einen Kopfbahnhof. Das Bahnhofsgebäude wurde 1910 fertiggestellt und am 1. Oktober feierlich eingeweiht: „Um 11.15 Uhr stand der festlich geschmückte Festzug auf dem schmucken Bahnhof bereit [...]. Weißgekleidete Jungfrauen in blauen Schärpen empfingen Seine Durchlaucht den Fürsten und seine hohen Angehörigen sowie den Regierungspräsidenten...“ So schildert es ein zeitgenössischer Zeitungsartikel. Zur Feier der Streckeneinweihung fuhren einige hochrangige Gäste mit dem Zug von Berleburg nach Raumland, nahmen dort einen Imbiss ein und fuhren wieder zurück nach Berleburg, wo weitergefeiert wurde. Heute trägt das Empfangsgebäudes des Bad Berleburger Bahnhofs von außen in weiten Teilen noch sein ursprüngliches Gesicht. Auch gegenwärtig thront in der Mitte zwischen den beiden Giebeln noch die 1913 installierte Bahnhofsuhr.

Veränderungen auf der Strecke

In den ersten Betriebsjahrzehnten wies der Bahnhof ein reges Verkehrsaufkommen auf. Da Berleburg am Ende einer Stichstrecke lag, wurden die letzten Züge hier regelmäßig am Abend zur Übernachtung abgestellt. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Streckennutzung nach Bad Berleburg immer weiter zurückgefahren. Es dauerte bis in die ausgehenden 1930er Jahre, bis die Streckenauslastung wieder den Stand vor dem Ersten Weltkrieg erreichte.

Graf-Casimir-Straße

Die Anbindung des Bahnhofs an das städtische Verkehrsnetz erfolgte über die Graf-Casimir-Straße, benannt nach Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1687–1741). Die Straße wurde im Zuge des Bahnbaus neu trassiert. Sie entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer wichtigen städtischen Achse mit repräsentativen Gebäuden.

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