Der Bürgerturm - Stadtbefestigung und Bürgerturm
Im Zuge des Neubaus der Stadtkirche musste ein älteres Bauwerk weichen: Der Bürgerturm, der in unmittelbarer Nähe der Kirche stand. Zwar wurden die Pläne der Kirche und ihre Ausrichtung immer wieder diskutiert und verändert – doch wie man die Kirche auch drehte und wendete: Der Bürgertum war immer im Weg!
Unbekannten Ursprungs
Wann der Turm errichtet wurde, liegt heute im Dunkel der Geschichte verborgen. Da er Teil der Stadtbefestigung, bestehend aus einer Mauer und zwei Toren, war, entstand er vermutlich im Zuge ihrer Errichtung in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Der ummauerte Teil der Stadt hatte nur geringe Ausmaße: Gerade einmal 50 Häuser lagen innerhalb der Mauern. Die beiden Tore, durch die man in die Stadt gelangte, lagen nur knapp 300 Meter auseinander. Das eine Stadttor befand sich etwa dort, wo die heutige Stadtkirche steht, das andere an der heutigen Parkstraße. Das zweite Tor besaß zudem eine bauliche Verbindung zum Schloss. Im Tor befand sich zeitweilig auch ein Schulzimmer. Beide Tore wurden Ende des 18. Jahrhunderts abgerissen. Bereits um das Jahr 1500 herum dürfte der Bürgerturm gestanden haben. Auf historischen Darstellungen der Stadt lässt sich der Turm als markantes Bauwerk neben Schloss und Stadtkirche ausmachen: Rund, mit kleinen rechteckigen Öffnungen und einem nach oben verjüngten, kegelförmigen Dach.
Uhr und Glocke für den Turm
Die Berleburger Stadtbrände setzten auch dem Turm immer wieder zu: Die Stadtchronik berichtet, dass beim Brand 1547 der Turm seinen hölzernen Aufbau einbüßte. Knapp 40 Jahre später kam es erneut zu Brandschäden, doch erst Ende des 16. Jahrhunderts nahm man die vollumfängliche Instandsetzung in Angriff. Mit diesen Reparaturarbeiten bekam der Turm wohl im Bereich des Daches das kegelförmige Aussehen, mit dem er noch heute auf historischen Darstellungen zu sehen ist. Noch vor dieser großen Instandsetzung hatte man den Turm 1575 mit einer Uhr versehen, 1613 kam eine Glocke hinzu. Durch einen mit der Uhr versehenen Schlegel verkündete sie den Bürgerinnen und Bürger die Uhrzeit. Auch bei besonderen Vorkommnissen wurde sie geschlagen, um die Berleburger*innen aufmerksam zu machen.
Das Ende des Turms
Der Stadtbrand 1825 besiegelte das Ende des Bürgerturms: Er wurde so stark beschädigt, dass nur ein runder, etwa 13 Meter hoher Stumpf stehenblieb. Während des Wiederaufbaus der Stadt wurde keine endgültige Entscheidung getroffen, wie mit den Überresten zu verfahren sei. Ein im Zuge des Neubaus der Stadtkirche erstelltes Gutachten kam jedoch zu der Feststellung, dass der Turm keine Funktion mehr habe und dass man ihn abreißen solle. Die königliche Regierung in Arnsberg erteilte 1854 die Abrissgenehmigung – so verschwanden die Überreste des Bürgerturms aus der Stadtsilhouette Berleburgs. Der Turmglocke war noch ein etwas längeres Überdauern beschieden: Angeblich wurde sie in der neuen Stadtkirche montiert, im Zuge des Ersten Weltkriegs dann aber eingeschmolzen.