Das Schloss - eine fürstliche Residenz für Jahrhunderte
Den Gästen des Berleburger Schlosses präsentiert sich heute eine nach Südosten geöffnete Schlossanlage mit einem Ehrenhof in der Mitte. Dieses Aussehen erhielt das Schloss im 18. Jahrhundert, als die vierflügelige, rundherum geschlossene Anlage zu einem barocken Schloss mit drei Flügeln umgebaut wurde. Doch trotz weitreichender Umbaumaßnahmen haben sich Baubestandteile erhalten, die eventuell mittelalterlichen Ursprungs sind, ganz sicher aber auf die ersten nachweisbaren steinernen Befestigungen des frühen 16. Jahrhunderts zurückgehen. Aus dieser Zeit stammt auch das zweigeschossige Torhaus, das dem Südflügel des Schlosses in einem spitzen Winkel vorgebaut ist.
Barocke Schlossanlage
Ab dem Jahr 1700 wurden umfassende bauliche Veränderungen am Schloss vorgenommen, die sich durch das gesamte Jahrhundert zogen: Zuerst wurde der nördliche Flügel abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Erhalten blieben dabei die im 16. Jahrhunderte erbauten Gewölbe und die Wendeltreppe. Ab den 1730er Jahren – erkennbar an der am Gebäude angebrachten Jahreszahl – begann der Neubau des Mittelflügels. Mit den Arbeiten beauftragte man Handwerker aus Tirol. Sie galten damals als die Experten zur Umsetzung barocker Baupläne. 1736 erfolgte der Bau des Roten Turms sowie auch die barocke Gestaltung des Brunnens auf dem Schlosshof. Mitte des 18. Jahrhunderts begann auch die Umgestaltung des Schlossgartens, der damals zu großen Teilen bereits das Aussehen erhielt, das er auch heute noch hat. Ursprünglich kamen der Grünanlage mit den das Schloss umgebenden Gräben wichtige Schutzfunktionen zu – dies war nun nicht mehr nötig. Der Garten erhielt eine prachtvolle barocke Gestaltung und diente von nun an der Repräsentation und dem Vergnügen.
Öffnung des Schlosses zur Stadt hin
Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts waren Grafschaft und Familie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg hoch verschuldet. Die hohen Ausgaben rührten von den kostspieligen Umbaumaßnahmen, der üppigen Hofhaltung und den Geldern, die den nicht vor Ort lebenden Familienmitgliedern zustanden, her. Auch die unruhige politische Lage trug zur Belastung der gräflichen Kasse bei. Als sich die Lage im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts besserte, konnten die Baumaßnahmen weitergehen. 1778 wurde die Errichtung eines weiteren Gebäudes begonnen: Der Südflügel wurde errichtet, der einen Marstall – also einen Stall für die fürstlichen Pferde – beherbergte und im oberen Bereich bewohnt wurde. Zeitgleich verschwanden die Bauten, die Richtung Stadt lagen, der Turm der ehemaligen Kirche sowie die ehemaligen Befestigungsanlagen. Zu Stadt und Straße hin wurden stattdessen Mauern und Zäune gesetzt. Das Schloss hatte nun eine nach Südosten hin geöffnete Seite. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts hat das Berleburger Schloss im Großen und Ganzen sein heutiges Äußeres erhalten. Weitere Umbauten erfolgten auch im 19. und 20. Jahrhundert. Der Bau der beiden seitlichen Treppentürme 1912 hat das Gesamtbild des Schlosses in der jüngeren Vergangenheit nachhaltig verändert. Doch wie zahlreichen historischen Gebäude sind bis heute die Arbeiten an Schloss und Garten nicht vollständig abgeschlossen.