Die Berleburger Mühle - ein Standort wechselvoller Geschichte
Die Anfänge der Berleburger Mühle reichen bis weit ins Mittelalter zurück. Mit der Verleihung der Stadtrechte an Berleburg im Jahre 1258 fand die Mühle erstmals Erwähnung.
In fürstlichem Besitz
Bis ins 19. Jahrhundert befand sich die Mühle im Besitz der gräflichen Familie, die sie um 1322 vom Kloster Grafschaft, dem vormaligen Grundherrn, übernommen hatte. Dass sich Mühlen in herrschaftlichem Besitz befanden, war durchaus üblich, denn ihnen kam bei der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln eine herausragende Rolle zu. Der sogenannte „Mühlzwang“, also die Verpflichtung aller Untertanen, ihr Getreide in der Mühle ihres Grundherren mahlen zu lassen, bot den Herrschenden eine sichere Einnahmequelle. Für die Einhaltung dieses Mühlzwangs war der Müller verantwortlich, der die Mühle vom Grundherrn, in Berleburg also von der gräflichen Familie, pachtete.
Stetige Erweiterungen
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Mühle mehrfach erweitert und modernisiert, um den Anforderungen der wachsenden Stadtgesellschaft gerecht zu werden. im Jahr 1533 wurde die Mühle erstmals ausgebaut: Sie erhielt zwei Mahlgänge, außerdem wurde der Mühlteich vergrößert, um den Zulauf zum Wasserrad zu kontrollieren und zu gewährleisten, dass auch in Trockenperioden genügend Wasser für den Antrieb zur Verfügung stand. Im Laufe der Zeit wurden weitere Mahlgänge eingebaut, sodass die Anlage schließlich fünf Mahlgänge umfasste. 1561 wurde der Weg zur Mühle ausgebaut, um den Transport des Mahlgutes zu erleichtern. Zur Mühle gehörten auch ein Backhaus und eine Kornbrennerei.
Strom und Bier statt Korn und Schnaps
Mit den preußischen Reformen Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Mühlzwang aufgehoben und die Gewerbefreiheit eingeführt. Trotzdem blieb die Berleburger Mühle im Besitz der gräflichen Familie, die 1857 eine neue Mühle samt Wohnhaus bauen ließ. Da sich jedoch keine neuen Pächter fanden, verkaufte die Familie die Mühle schließlich an Georg Schneider und Söhne, die die mit Wasserkraft betriebene Mühle zur Stromerzeugung nutzten und ein privates Elektrizitätswerk errichteten. In der Brennerei errichteten sie zudem eine Brauerei. Ab 1898 versorgte das Elektrizitätswerk Georg Schneider und Söhne die Stadt mit Strom für die Straßenbeleuchtung. Als die in die Jahre gekommene Mühlenausstattung eine störungsfreie Stromlieferung nicht mehr garantieren konnte, wurde neben dem Mühlengebäude 1910 ein neues Elektrizitätswerk errichtet, das 1923 erst in den Kommunalen Oberlandwerken Wittgenstein, 1929 im Elektrizitätsverband Brilon-Büren-Wittgenstein und 1933 schließlich in der VEW aufging. 1935 wurde das Elektrizitätswerk schließlich verkauft und stillgelegt. Das Gebäude existiert mit wenigen äußerlichen Veränderungen bis heute.