Bildung im neuen Stadtzentrum - Volksschule und Kleinkinderschule
Die Volksschule hatte bereits eine wechselvolle Geschichte durchlebt, bevor sie das ehemalige Krankenhaus an der Poststraße bezog. Bis 1832 gab es in Berleburg kein Schulgebäude. Als Unterrichtsräume finden sich stattdessen in den Quellen das obere Stadttor, die Kirche, das Waisenhaus sowie verschiedene Wohnhäuser. 1825 fanden erste Planungen statt, entweder das Rathaus oder das Waisenhaus so umzubauen, dass dort auch drei Klassenzimmer eingerichtet werden konnten. Mit dem Stadtbrand im gleichen Jahr, bei dem sowohl das Rathaus als auch das Waisenhaus zerstört wurden, war diese Option allerdings vom Tisch. Der Retablissementsplan sah vor, dass für Rathaus und Schule ein gemeinsames Gebäude in der heutigen Schlossstraße errichtet werden sollte. Dieses war 1832 bezugsfertig. Neben Amtsräumen für den Bürgermeister befanden sich hier mehrere Klassenräume sowie zwei Gefängniszellen im Keller – deren mangelnde Absicherung schon bald beklagt wurde. Die Schülerzahlen stiegen so rasch an, dass der Bürgermeister wenig später in ein gegenüberliegendes Wohnhaus zog. Ein anschließender Anbau brachte noch mehr Platz. Diese Verbesserungen wurden nur vier Jahre nach Eröffnung der Schule wieder zunichte gemacht, als eklatante Baumängel zur zeitweisen Schließung führten: Die Balkenlagen waren nicht fachgerecht verankert und überlastet. Gebrochene Unterzüge und Risse in den Wänden waren die Folge. Erst nach Abschluss der Sicherungsmaßnahmen konnte der Unterricht wieder aufgenommen werden. Langfristig blieb das eingeschränkte Platzangebot ein Problem.
Schule war auch Jugendherberge
Abhilfe schuf erst der Umzug in die Poststraße. Hier wurde 1898/99 ein massiver Steinbau mit sechs Klassenräumen gebaut. Auch hier wurde 1936 ein Anbau realisiert, der neben zwei weiteren Klassenräumen auch einen großen Raum im Dachgeschoss bot. Hier konnten Schulfeiern abgehalten werden, aber auch klassenübergreifender Musikunterricht fand hier statt. Ab 1911 war die Schule zugleich Jugendherberge: Bis zu 15 Schülerinnen und Schüler auf Wanderschaft konnten in einem Klassenraum ihr Nachtlager aufschlagen. Die Räumlichkeiten wurden aber auch von zahlreichen anderen Gruppen genutzt, da Berleburg keine größeren Versammlungsräume besaß. So fanden in der Volksschule Stenografiekurse, Mütterschulungen, Kinderspeisungen und ab den 1930er Jahren auch Versammlungen der HJ, von SA-Gruppen oder des BdM statt. Oft kam es zu Konflikten, weil die Klassenzimmer verqualmt und unordentlich verlassen wurden oder es gar zu Beschädigungen am Mobiliar oder dem Turnhallenboden kam. Während des Zweiten Weltkriegs wurde unter anderem die im Keller liegende Schulküche zum Luftschutzraum umgebaut. Dazu wurden die Fenster zugemauert und im davorliegenden Flur Mauerschleusen installiert. Die Räume wurden mit Wasserfässern ausgestattet. Nach dem Krieg wuchs die Zahl der Schülerinnen und Schüler sprunghaft an, vor allem durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen. Ein weiterer Anbau 1951 sorgte für Abhilfe. 1964 eröffnete mit der Burgfeldschule eine zweite Volksschule in der Stadt. Nur fünf Jahre später wurde mit der Schulreform alles anders: Die Volksschulen wurden in Grund- und Hauptschulen aufgegliedert. Die Odebornschule in der Poststraße wurde Hauptschule und parallel ab dem Schuljahr 1969/70 Realschule. 1971 wurde die Hauptschule in ein neues Gebäude auf dem Stöppel verlegt, die Realschule folgte Ende 1974. Die Schule an der Poststraße wurde von der Sparkasse Wittgenstein gekauft, abgerissen und durch eine neue Hauptstelle ersetzt.
Kleinkinderschule
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts veranlasste Prinzessin Marie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg die Gründung einer Kleinkinderschule. Hier sollten Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren beaufsichtigt werden. Auch wenn die Leitung einem evangelischen Geistlichen oblag, war die Schule paritätisch gedacht und stand Kindern aller Konfessionen offen. Anders als im heutigen Kindergarten ging es anfänglich lediglich darum, die Kinder zu beaufsichtigen und weniger um eine altersgemäße Förderung. Über Spendenaktionen wurden Gelder für den Bau gesammelt; allein bei einem Basar 1908 wurden 3000 Mark eingenommen. Die Stadt wollte das Projekt unterstützen, indem sie ein Gebäude unter dem Marktpreis an den Verein verkaufte. Dies kam jedoch nicht zustande, da sich das Gebäude als ungeeignet erwies. Stattdessen tauschten Stadt und evangelische Kirchengemeinde gleichwertige Grundstücke. So wurde die Kleinkinderschule nördlich der Volksschule gebaut. Diese Lage bot den Vorteil, dass Schulkinder ihre jüngeren Geschwister in die Kleinkinderschule bringen und sie nachmittags auch abholen konnten. Bereits 1910 wurde die neue Schule eingeweiht. Auch die Betriebskosten wurden teilweise durch Spenden finanziert, die mitunter aus Übersee kamen. Der jüdische Kaufmann Emil Wolff, der von Berleburg nach New York ausgewandert war, spendete allein 1000 Mark. Im Laufe der Jahre erfuhr das Gebäude nur geringe Umbauten. Auch nach dem Kauf durch die Sparkasse Wittgenstein blieb die äußere Gestaltung nahezu unverändert. Der Kindergarten zog 2004 in das Christushaus im Herrengarten um.