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Arbeiten für lebendigen Goetheplatz laufen 06.07.2020 


Arbeiten für lebendigen Goetheplatz laufen

Wie erwartet sind bei der Baumaßnahme in der Bad Berleburger Oberstadt auch Überreste der zweiten Stadtkirche und der Krypta gefunden worden. Unter anderem die Archäologen des Landwirtschaftsverbands Westfalen-Lippe begleiten daher die Arbeiten.

Die Bagger rollen vor dem Bad Berleburger Schloss: Nach vielen Jahren der Planung wird zurzeit der Goetheplatz direkt vor dem Schlosstor umgestaltet. Ziel der Stadt Bad Berleburg ist es, dass sich in Zukunft Menschen jeden Alters wieder gerne auf dem Platz aufhalten. Der Goetheplatz soll wieder lebendiger werden. Doch nicht nur das: Geschichte soll dort konkret erlebbar werden.

Die Vitalisierung des Goetheplatzes wird mit gut 900.000 Euro aus Mitteln der Städtebauförderung unter dem Dach der Südwestfalen REGIONALE 2013 gefördert. „Die Planung und auch die ersten Bürgerbeteiligungen zum Goetheplatz haben sicherlich etwas zu lang gedauert und waren ab einem gewissen Punkt festgefahren“, gibt Bürgermeister Bernd Fuhrmann zu. „Mit der Methode des Bürgerrats haben wir dann einen neuen Weg genutzt, um Bürgerinnen und Bürger zu beteiligen. Das hat im Ergebnis zu einer Lösung geführt, die politisch von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurde und seit Mai auch umgesetzt wird. Wir gehen fest davon aus, dass auch das Ergebnis gut angenommen werden und einen Beitrag zu einer lebenswerten Zukunft in unserer Stadt der Dörfer leisten wird.“

Untersuchung des Platzes durch die LWL-Archäologie

Die Bauarbeiten laufen unter den wachsamen Augen der Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Die Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie war von Anfang an bei den Planungen dabei, denn in diesem Bereich stand bis 1839 die zweite Stadtkirche von Bad Berleburg. Diese Kirche wurde nach dem Brand der ersten Stadtkirche weiter nördlich im Bereich des südlich gelegenen alten Marktplatzes erbaut. Eine Verlegung des Kirchenstandortes war aufgrund von Erweiterungsplänen für das Schloss getroffen worden. In der untypischerweise „genordeten“ Saalkirche befand sich unter dem Chor eine Krypta, die als fürstliche Gruft genutzt wurde. „Dass vor allem Reste dieses eingetieften Bauteils bei den Bodeneingriffen zutage kommen könnten, war dann auch wenig erstaunlich“, so Archäologin Dr. Eva Cichy von der LWL-Archäologie für Westfalen.

An den Ergebnissen der Experten hat selbstverständlich auch die Familie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg Interesse, erläutert Johannes Röhl, Leiter der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer: „Wir konnten uns laufend von der professionellen Behandlung auch der ehemaligen Grablege des Fürstlichen Hauses durch den LWL und die gesamte Baustellenleitung überzeugen.“

Der Bad Berleburger Architekt Hans F. Petry, der sich ausführlich mit der Geschichte der Kirche beschäftigt hat, konnte den Archäologinnen neben seinem großen Wissen über die Geschichte der Kirche auch Planunterlagen mit Schnitten durch den ehemaligen Kirchenbau zur Verfügung stellen.

Geschichte der Stadtkirche

Die Kirche wurde im 19. Jahrhundert derart baufällig, dass man sie 1833 schließen musste. 1839 wurde sie völlig abgetragen und an anderer Stelle wiederaufgebaut. Freigelegt wurde neben der Krypta bislang auch die nördliche Außenmauer der spätmittelalterlich bis frühneuzeitlichen Kirche auf einer Länge von etwa 11 Metern. „Die Krypta war direkt in den anstehenden Fels gehauen worden“, erklärt Grabungsleiter Rafael Roth. Nach dem Abriss sei der gesamte Bereich mit Abbruchschutt verfüllt worden, nachdem man die sterblichen Überreste umgebettet habe, so Roth weiter.

In dem Schutt fanden die Fachleute dementsprechend auch nur noch vereinzelt und verstreut ein paar menschliche Knochenreste, teils stark fragmentiert, verlagert und nicht in ursprünglicher Lage. Ein Buntmetallknopf mit Verzierung stammt von einem Totengewand oder von einer Uniform. Gefundene Keramik aus der Verfüllschicht der Gruft lässt sich grob in das 19. Jahrhundert datieren und belegt das Datum der Räumung.

Im Süden stießen die Archäologen auf den Eingangsbereich mit einer Treppe, die in die noch 1 Meter tief erhaltene Gruft führte. Direkt auf der ersten Treppenstufe lag eine Münze, ein sogenannter Stüber von 1806. „Die Münze ist nicht abgegriffen, was gegen eine lange Umlaufzeit spricht. Vielleicht wurde sie von einem der letzten Besucher der Gruft verloren, bevor man die Kirche endgültig aufgab“ spekuliert Cichy.

Nach Abschluss der archäologischen Untersuchung kann die geplante Umgestaltung des Goetheplatzes beginnen.