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Zeitachse

Bad Berleburg zur vorrömischen Zeit

Grabungsfunde bestätigen die Besiedelung der heutigen Stadt Bad Berleburg im 7. Jahrhundert vor Chr.

Teile von Ringwallanlagen auf den Burgbergen bei Aue, Dotzlar und Wemlighausen sind Spuren dieser Zeit und stehen unter Denkmalschutz. Hinweise auf eine Besiedelung dieser heimischen Region für den Zeitraum nach der Zeitwende bis zum 8. Jahrhundert n. Chr. liegen nicht vor.

 

Erste urkundliche Erwähnungen

Arfeld und Raumland, Ortschaften des heutigen Bad Berleburg, wurden schon in den Jahren 800 bzw. 802 urkundlich erwähnt. Siedlungen wie Alertshausen, Beddelhausen, Elsoff und Schwarzenau sind seit 1059 durch Urkunden bestätigt.

Im Jahre 1174 wird erstmals der Name "Widechinstein" (Wittgenstein) erwähnt. Mit dem Grafen Siegfried I. beginnt die eigentliche Geschichte der Grafschaft Wittgenstein.

Berleburg, hoch über dem Odeborntal gelegen, bot sich als Stützpunkt für den Ausbau des Territoriums an. In einer Urkunde des Klosters Grafschaft wird die Ortschaft Berleburg erstmals im Jahre 1258 als "Berneborg" bzw. "Berneborgh" belegt. Am 30. März dieses Jahres gingen Burg und Burgberg in den gemeinsamen Besitz von Graf Siegfried von Wittgenstein und Klostervogt Adolf von Grafschaft über. Eine Reihe von Zeugnissen der Folgezeit bestätigen diese Stadtgründung.

Sowohl diese "Doppelherrschaft" als auch die geringe Einwohnerzahl hatten zur Folge, dass ein volles städtisches Gemeinwesen erst im Jahre 1330 unter Einschluss von Bürgermeister, Schöffen und Rat ausgebildet wurde.

 

Die Grafschaft

1322 wurde der Zustand der "Doppelherrschaft" in Berleburg beendet, als Widekind von Grafschaft zu Gunsten Siegfrieds II. von Wittgenstein auf seine Rechte an der Stadt verzichtete.

Als der letzte männliche Vertreter der Wittgensteiner Grafen starb, trat sein Schwiegersohn Salentin von Sayn das Erbe an und wurde so zum Begründer des Hauses Sayn-Wittgenstein.

Bis zum Tode Graf Ludwigs d. Älteren im Jahre 1605 hatte sich Berleburg zur Haupt- und Residenzstadt der Grafschaft Sayn-Wittgenstein-Berleburg entwickelt. 1603 wurde Wittgenstein in die beiden Grafschaften Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Sayn-Wittgenstein-Wittgenstein (von 1653 an Grafschaft Hohenstein Sayn-Wittgenstein-Hohenstein genannt) geteilt. Diese Teilung blieb bis ins Jahr 1806 bestehen.

 

Das Ende der Grafschaft

Durch die Rheinbundakte von 1806 verloren die inzwischen zu Fürstentümern erhobenen Wittgensteiner Territorien ihre Selbständigkeit und wurden Hessen-Darmstadt unterstellt.

Auf Beschluss des Wiener Kongresses wurde Wittgenstein 1816 als eigener Kreis der Provinz Westfalen dem Land Preußen zugeteilt.

 

Brände und Wiederaufbau

Bis ins 18. Jahrhundert war Berleburg von einer mit 2 Toren versehenen Mauer umgeben. Seit 1488 wurde die Stadt mehrere Male Opfer von Großbränden. 1522 brannten 46 von damals 48 Häusern ab. Den letzten schweren Brand erlebte Berleburg am 21. Juli 1825. Berleburg zählte zu jener Zeit knapp 2.000 Einwohner.

Der einheitliche Wiederaufbau nach dem Brand stellt ein Charakteristikum der Stadt Bad Berleburg dar. Dieser dokumentiert die Stadtplanung und Architektur des frühen 19. Jahrhunderts im südwestfälischen Raum und spiegelt auch heute noch die Schlichtheit der heimischen Bautradition wider.

Der über eineinhalb Jahrhunderte nahezu unverändert erhaltene Altstadtbereich trug wesentlich dazu bei, dass Bad Berleburg in die "Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne" des Landes Nordrhein-Westfalen aufgenommen wurde.

 

Das Schloss

Zentrum der historischen Altstadt ist das Schloss der Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Dessen Neubau wurde in der zweiten Hälfte des16. Jahrhunderts begonnen und erfuhr während derRegierungszeit des Grafen Casimir in den Jahren nach1732 eine großzügige Erweiterung.

Das barocke Schloss wurde als Baudenkmal von internationalem Rang eingestuft. Heute bietet es den festlichen Rahmen für die weit über die Region hinaus bekannten Schlosskonzerte und die Internationalen Musikfestwochen. Der angrenzende Schlosspark mit seinen jahrhundertealten Bäumen dient dem jungen Heilbad als Kurpark.


Zuflucht in Berleburg

Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts fanden religiös Verfolgte aus allen Teilendes Reiches sowie aus Frankreich Zuflucht in beiden Grafschaften Wittgensteins. Fast 50 Jahre lang erhielten Pietisten, die sich von den Dogmen der protestantischen Kirche abgewandt hatten, u.a. in den heutigen Ortschaften Berleburg und Schwarzenau die Möglichkeit, sich zu ihrem Glauben zu bekennen; denn die Wittgensteiner Grafen waren tolerant in religiösen Fragen.

Wichtigstes Zeugnis der pietistischen Literaturproduktion sind die acht Bände der Berleburger Bibel, die zwischen 1726 und 1742 entstanden. Auf annähernd 6.000 Seiten ist neben einer neuen Übersetzung des Grundtextes eine dezidierte Auslegung der Bibelverse aus radikalpietistischer Sicht zu finden.

Von einer der pietistischen Gruppierungen um Alexander Mack wurde im Jahr 1708 in der heutigen Bad Berleburger Ortschaft Schwarzenau die "Kirche der Brüder" gegründet. Nach der Auswanderung der Kirchengründer wurde die Glaubensgemeinschaft in den USA als "Church of the Brethren" weitergeführt, die heute mehr als eine halbe Million Mitglieder zählt. Einige hundert Brüder kehren jährlich zu den Ursprüngen ihrer Kirche zurück und tragen damit dazu bei, Bad Berleburg auch über die europäischen Grenzen hinaus bekannt zu machen.

Ein Zeugnis für die religiöse Toleranz in Berleburg im 18. Jahrhundert mag auch die Entstehung einer expandierenden jüdischen Gemeinde sein. Die Integration der Menschen jüdischen Glaubens wurde durch die Liberalisierung der Gesetzgebung im 19. Jahrhundert erleichtert. Der Bau und Neubau (nach dem letzten Stadtbrand 1825) einer Synagoge im Stadtgebiet legt Zeugnis dafür ab, dass die jüdischen Bürger Berleburgs als Nachbarn akzeptiert wurden und sich selbst als Berleburger definierten. Die integrierte jüdische Gemeinde fand jedoch mit der Reichspogromnacht 1938 ein jähes Ende. Demütigung, Verfolgung und Ermordung kennzeichneten auch in Berleburg das Schicksal dieser Bürger.


Die Industrialisierung

Mit dem Bau der Eisenbahnlinie nach Berleburg 1911 setzte eine gewisse Industrialisierung ein, die sich zunächst weitgehend auf holzverarbeitende Betriebe beschränkte. Weitere Industriezweige kamen nach dem 2. Weltkrieg hinzu.


Kommunale Neugliederung

Die wohl gravierendste Veränderung in ihrer Struktur erlebte die Stadt Bad Berleburg 1975 mit der kommunalen Neugliederung. Die 1971 zum Bad ernannte Stadt wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung mit den bisher selbständigen Ortschaften des Amtes Berleburg zur zweitgrößten nordrhein-westfälischen Flächengemeinde zusammengefasst.

Die Ortschaften Langewiese, Mollseifen und Neuastenberg wurden dem neu gegründeten Hochsauerlandkreis zugeteilt und wurden damit Ortsteile der Stadt Winterberg. Ähnlich wurde mit den Ortschaften Balde, Birkelbach, Birkefehl, Leimstruth und Womelsdorf verfahren, die zur Gemeinde Erndtebrück übergingen. Gleichzeitig wurde der Altkreis Wittgenstein, dessen Verwaltungssitz Berleburg bis 1974 war, aufgelöst und zum Kreis Siegen zusammengefasst. Erst 10 Jahre später erfolgte die Umbenennung in Kreis Siegen Wittgenstein.

Die Zentralisierung der Verwaltung in der Kernstadt der neu formierten Flächengemeinde machte einige Neuorganisationen notwendig. Der gleichzeitige Verlust der Autarkie auf Kreisebene stellte eine große Herausforderung dar.


Bad Berleburg als Kurort

Daneben entwickelte sich in Bad Berleburgund einigen Ortsteilen der Fremdenverkehr. Bad Berleburg selbst wurde nach dem 2. Weltkrieg durch die Initiative einiger Privatpersonen und unter Einsatz der Stadt zum zweitgrößten Kneipp-Kurort der Bundesrepublik. Das schonende bis reizmilde Klima der am Südhang des Rothaargebirges gelegenen Stadt ist therapeutisch bedeutsam und war bereits 1935 eine der Voraussetzungen für die Anerkennung als Luftkurort.

Die "Klinik Wittgenstein", dessen Träger das Evangelische Johanneswerk in Bielefeld ist, wurde im Jahre 1949 als psychosomatisches Krankenhaus errichtet. Zwei Jahre später gründeten engagierte Bürger den ersten Kneipp-Verein. Hieraus ging 1952 die private Kneipp-Kur-Gesellschaft, die Wittgensteiner Kuranstalt (WKA), hervor. Die WKA entwickelte sich zu einem expandierenden Wirtschaftsunternehmen und ist heute als Wittgensteiner Kliniken AG der größte Arbeitgeber in der Stadt. Die WKA hat sich mit dem Bau weiterer Kliniken weit über die Stadtgrenzen hinaus internationalen Ruf verschafft. Im Mai 1953 wurde der Kneipp-Kur-Betrieb eröffnet. Im ersten Jahr zählte man über 11.000 Übernachtungen - heute sind es fast eine halbe Million. In den folgenden Jahren wurden weitere Sanatorien und Kliniken errichtet. Es wurde investiert und mit Beharrlichkeit die Anerkennung als Kneipp-Kurort betrieben.

1971 bekam die Stadt die Bezeichnung "Bad" als Zusatz zum Ortsnamen verliehen. Drei Jahre später erfolgte die staatliche Anerkennung als Heilbad. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass der Bund der Kriegsblinden Deutschlands eine Rehabilitationsstätte - das "Kursanatorium Am Breitenbach" - schuf.

Bis Mitte der 70er Jahre stand die Kneipptherapie im Vordergrund der Behandlungsmöglichkeiten. Mit der Schaffung modernster räumlicher und medizinischer Einrichtungen und der Einstellung von ärztlichem Fachpersonal erweiterte sich die Indikationsliste zur Behandlung spezifischer Erkrankungen. Dies führte zur Klinifizierung der einzelnen Betriebe und zur Spezialisierung innerhalb der Kliniken. Dieser Umstrukturierung der ehemaligen Kurkliniken in Rehabilitationshäuser veranlasste 1996 die WKA dazu, ihren Namen zu ändern. Aus "Wittgensteiner Kuranstalt" wurde die "Wittgensteiner Kliniken Allianz". Im Jahr 2000 änderte sich der Name abermals in "Wittgensteiner Kliniken Aktiengesellschaft". Bundesweite Anerkennung genießen sowohl die Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung im Herz-Kreislauf-Bereich, die traditionellen psychosomatischen Kliniken als auch die Arzt-Patienten-Seminare.