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Theologie-Studenten zu Gast im Rathaus 09.10.2019 


Theologie-Studierende zu Gast im Rathaus

"Kirche im ländlichen Raum" war der Titel einer Veranstaltung, zu der Theologie-Studierende im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein zu Gast waren. Dabei statteten sie auch Bürgermeister Bernd Fuhrmann einen Besuch im Rathaus ab.

Eine dreitägige Perspektivtagung der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) brachte jetzt rund ein Dutzend Theologie-Studierende der höheren Semester in den Wittgensteiner Kirchenkreis. „Kirche im ländlichen Raum“ so die Überschrift der Veranstaltung, die damit einen hundertprozentig passenden Ort gefunden hatte. Begleitet wurden die jungen Leute von Oberkirchenrätin Petra Wallmann, EKvW-Personaldezernentin, und Pfarrerin Antje Röse, erste Ansprechpartnerin für den theologischen Nachwuchs in Westfalen. Ihnen stand zur Seite als Experte vor Ort: Stefan Berk, der Superintendent des Wittgensteiner Kirchenkreises.

Und hier traf die Gruppe dann weitere Fachleute. Dabei wurde immer wieder klar, wie klein die Welt in Wittgenstein ist, wie kurz deshalb die Wege hier sind. Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann und Stefan Berk buchstabierten beim Termin im Rathaus den Punkt „Gemeinwesen-Orientierung im ländlichen Raum“ als ein eingespieltes Team. Anke Althaus-Aderhold aus Lukas, der Wittgensteiner Kirchengemeinde, die sich das Thema schon vor Jahren auf die Fahnen geschrieben hat, konnte dabei nochmal sehr deutlich machen, wo in diesem Gefüge der Platz für die Kirchengemeinden ist. Am Nachmittag stand dann die Besichtigung des Berleburger Schlosses auf dem Plan. Dabei trafen die Theologie-Studierenden mit ihren Begleitern Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der nicht nur durch die alten Pfarr-Patronats-Stellen mit der Kirche verbunden ist. Vor Jahren besuchten die Wittgensteiner Teilnehmer des Young-Ambassadors-Austauschprogramms vor ihrer Amerika-Reise bei ihm einen Benimmkurs, den ihnen der Neffe der dänischen Königin exklusiv im Schloss anbot. Und auch beim Wittgensteiner Kirchenwald zum Dortmunder Kirchentag konnte der Kirchenkreis ganz selbstverständlich auf die Wittgenstein-Berleburg‘sche Rentkammer und deren Unterstützung setzen.

Die kirchliche Gemeinwesen-Orientierung wurde dann in Winterberg nochmal aus einem weiteren Blickwinkel betrachtet. Zum Wittgensteiner Kirchenkreis gehören auch die evangelischen Diaspora-Kirchengemeinden der Esloher, Schmallenberger und Winterberger. Die halbe Gemeindepfarrstelle in Winterberg wurde jetzt zu ihrer Neubesetzung um eine halbe Tourismus-Pfarrstelle ergänzt. Tourismus ist in allen sechs Kommunen des Kirchenkreises ein wichtiges Thema. Bereits seit Jahren arbeitet der Kirchenkreis beim Spirituellen Sommer mit. Die Gruppe traf sich in Winterberg nicht nur mit der designierten neuen Winterberger Pfarrerin Dr. Sandra Gintere, sondern auch mit dem örtlichen Gemeindereferenten Jörg Willerscheidt, der sich seit einiger Zeit für die katholische Seite mit der Tourismusarbeit beschäftigt. Stefan Berk präsentierte den künftigen Kollegen während der Tagung zudem noch den nagelneuen Innovationsfonds der Westfälischen Landeskirche, den er im vergangenen Herbst für den Arbeitskreis „Ländlicher Raum“ als Synodaler bei der Westfälischen Landessynode eingebracht hatte und der künftig mit einer Ausstattung mit 3 Mio. Euro helfen soll, frische Ideen für die Kirche im ländlichen Raum auf den Weg zu bringen.

Wie sich Gemeinwesen-Orientierung im Gottesdienst-Rahmen darstellen kann, das sahen die Theologie-Studierenden ganz anschaulich an ihrem letzten Tag in Wittgenstein. Im Berleburger Bürgerhaus fand in Verbindung mit dem Brotmarkt der große Erntedankgottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinde statt. Die erprobte 08/14-Gottesdienst-Mannschaft gestaltete den Morgen musikalisch und liturgisch, die Landjugend Wittgenstein kam nach heißen Sommern und wegen schwieriger Wettbewerbsbedingungen in einem Anspiel auf die alles entscheidende Frage „Und jetzt?“ und Stefan Berk versuchte darauf in seiner Predigt eine Antwort zu geben. „Dankbarkeit ist der Schlüssel. Damit geben wir dem Leben die Würde zurück, die es verdient. Und wir finden unsere eigene Würde wieder, gegenüber den Tieren, den Wäldern, der Natur und auch in den Augen unserer Kinder und Enkel, die uns zu Recht fragen, was eigentlich in den letzten 50 Jahren auf unserer Erde passiert ist.“ So das Fazit der Predigt, die rund 300 Menschen im Bürgerhaus gut hörten, denn die meiste Zeit war es so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Die komplette Predigt gibt es auf der Homepage des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein.

Mit diesem beeindruckenden Schlussbild aus einem verkehrsfernen Kirchenkreis ohne eine einzige Autobahn-Auffahrt, aber noch immer mit ziemlich viel volkskirchlicher Lebendigkeit machten sich die Theologie-Studierenden danach auf den langen Weg zurück in ihre Universitätsstädte.