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Klimapartnerschaft

Die Stadt Bad Berleburg baut im Rahmen des Projekts zur kommunalen Entwicklungspolitik mit dem Distrikt Morogoro in Tansania eine Klimapartnerschaft auf. Ziel soll die partnerschaftliche Entwicklung von Maßnahmen für den Klimaschutz und die Klimafolgeanpassung in beiden Kommunen sein. In den nächsten zwei Jahren entwickeln wir dafür ein gemeinsames Handlungsprogramm, was anschließend in die Umsetzung geht. Dazu befinden wir uns im stetigen Austausch mit unseren Partnern im globalen Süden. Die ,Kommunale Klimapartnerschaft‘ ist ein Projekt der ,Engagement Global gGmbH‘, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung agiert. Das Projekt existiert bereits seit 2011 und befindet sich aktuell in der siebten Phase. Die Stadt Bad Berleburg arbeitet im Zuge des Projekts mit Vertretern der Kommunalpolitik und der Zivilgesellschaft, wie dem evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein, zusammen, der seit vielen Jahren eine Partnerschaft zum Kirchenkreis Ngerengere im Distrikt Morogoro pflegt.

 
Ablauf des Projektes

Startpunkt des Projekts war ein Internationaler Auftakt-Workshop in Münster im Mai 2019. Hier kamen die teilnehmenden deutschen Kommunen mit ihren Partnern aus dem globalen Süden zusammen und übergaben offiziell die unterzeichneten Vereinbarungen, die die Partnerschaft besiegelten. Zudem fanden hier bereits erste Workshops und Arbeitsgruppen statt. Dadurch wurde eine Grundlage für die gemeinsame Arbeit auf Augenhöhe geschaffen.

Im Anschluss an die Veranstaltung in Münster waren unsere Partnerinnen aus Morogoro zum ersten Mal ein paar Tage in Bad Berleburg zu Gast und konnten sich so ein erstes Bild von unserer Stadt machen. Der erste längere und fachlich intensive Austausch fand vom 15. bis 24. Oktober 2019 mit einer Delegation aus Bad Berleburg im Morogoro District statt. Darauf folgte ein erneutes Netzwerktreffen der deutschen Kommunen.

Mit der zweiten Entsendephase fand Anfang März dann der Gegenbesuch der Delegation aus Morogoro bei uns in Bad Berleburg statt.

Bedingt durch die Covid-19- Pandemie fand das 3. Netzwerktreffen Ende Mai 2020 virtuell statt. In Tansania kam es neben den Problematiken aufgrund der Pandemie zusätzlich zu massiven Internetproblematiken, weshalb der Kontakt zu unseren Partner über einige Monate abbrach.

Mit Beginn im Oktober 2020 konnte man sich jedoch wieder per Mailkontakt austauschen. Das 4. Netzwerktreffen der deutschen Kommunen Anfang Dezember 2020 fand erneut online statt, genauso wie das 5. Treffen Anfang Juli 2021). Letztendlich musste auch die geplante Entsendung im Jahr 2021 komplett in den virtuellen Raum verlegt werden.

Trotz der eher widrigen Umstände aufgrund der Covid-19-Pandemie und der Internetproblematiken, konnte gemeinsam mit den Partnern ein Handlungsprogramm erstellt werden. Dabei wurden strategische und operative Ziele, sowie konkrete Maßnahmen für beide Kommunen zu drei Schwerpunktthemen entwickelt. Diese sind:

  1. Nachhaltige Wald- und Forstwirtschaft
  2. Nachhaltiges Wassermanagement
  3. Erhalt der Biodiversität

Im späteren Verlauf sollen zudem die Themen 'Abfallmanagement' und erneuerbare Energien mit hinzugenommen werden. 

Im nächsten Schritt geht es nun darum erste kleinere Projekte zu gestalten, um so das Handlungsprogramm schrittweise umzusetzen.


1. Entsendung

1. Entsendung

Bei der 1. Entsendung vom 15. bis 24 Oktober 2019 war unsere deutsche Delegation zu Gast in der Partnerkommune in Tansania. Vor Ort wurden unter anderem Naturschutzgebiete und Wasserversorgungsanlagen besichtigt, aber auch Gebiete, in denen Bodendegradation und Überschwemmungen ein großes Problem darstellen. So gibt es beispielsweise vor Ort eine Schule, die jedes Jahr aufs Neue von Überschwemmungen betroffen ist und mehrere Wochen schließen muss. Dadurch konnten wir viele Eindrücke gewinnen und es kristallisierten sich bereits erste Schwerpunktthemen heraus. Die größten Herausforderungen vor Ort sind vor allem suberes Trinkwasser, Wasserspeicherung, Überschwemmungen, unkontrollierte Abholzung und Bodendegradation sowie Abfallentsorgung. Entsprechend sollen Projekte entwickelt werden, die an diesen Punkten gezielt ansetzen.

2. Entsendung

Bei der 2. Entsendung im Zeitraum vom 03.bis 12 März 2020 war die Delegation aus Morogoro zu Besuch in Bad Berleburg. Auch hier konnten wir Eindrücke zur aktuellen Situation in Bad Berleburg sammeln. Dazu haben wir unter anderem die Wisent-Welt besichtigt. Der Themenschwerpunkt hierbei lag auf der Artenvielfalt, dem Mensch/Wildtierkonflikt und der Umweltbildung und inwiefern die Wisente hierzu beitragen können. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt und ein sehr aktuelles Thema waren die Trockenheit und der Borkenkäferbefall in unseren Wäldern. Dazu haben wir Flächen mit ortsansässigen Wald- und Forstwirten begutachtet. Des Weiteren erhielten die Gäste einen Eindruck eines nachhaltigen Wassermanagements. Unter anderem haben wir hierzu die Obernautalsperre und die Kläranlage der Stadtwerke Bad Berleburg besichtigt.

Virtuelle Entsendung

Virtuelle Entsendung

Vom 30. August bis zum 02. September fand im Rahmen des Projektes eine virtuelle Entsendung statt. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie, war eine reale Entsendung leider undenkbar. Ein direkter Austausch war jedoch essenziell wichtig, für die weitere Planung des Projektes und zur Fortschreibung des Handlungsprogramms. Da die Internetverbindung in Morogoro selbst nicht ausreichend für eine Videokonferenz ist, reisten unsere Partner nach Daressalam. Hier wurde in einem Hotel ein Internethub bereitgestellt, welcher eine technisch einwandfreie Übertragung erlaubte.

Der erste Tag diente erstmal dem Ankommen im virtuellen Raum, technischen Hinweisen, formalen Planungen und vor allem dem Kennenlernen. Durch den Stellenwechsel auf Berleburger Seite konnten wir unsere Partner und die anderen Akteure aus Tansania bisher noch nicht persönlich kennenlernen.

Der zweite Tag widmete sich dem Schwerpunktthema ‚nachhaltige Wald- und Forstwirtschaft‘. Zum Einstieg hielt Förster Hendrik Engelhardt von der Wittgenstein-Berleburg'sche Rentkammer einen Vortrag zu aktuellen Lage der Wittgensteiner Wälder. Im Anschluss erläuterte Eliwangu Mnzava, die derzeitige Situation und Herausforderungen auf Seiten von Morogoro. Mit dieser Grundlage konnte man im Anschluss in eine Diskussion gehen. Wo liegen eventuelle Parallelen? An welcher Stelle kann man sich gegenseitig unterstützen? Welche strategischen und operativen Ziele lassen sich formulieren? Und wie sehen erste Maßnahmen in diesem Bereich aus? Die Ergebnisse aus der Diskussion konnten am Nachmittag im gemeinsamen Handlungsprogramm zusammengefasst und festgehalten werden.

Der dritte Tag stand unter dem Schwerpunktthema ‚nachhaltiges Wassermanagement‘. Hier startet Achim Vorbau (Leiter der Stadtwerke in Bad Berleburg) mit einer Präsentation über die Wasseraufbereitung und Frischwasserversorgung in Bad Berleburg. Auf Seiten von Morogoro hielt die Wasseringenieurin Grace Lyimo ebenfalls einen Vortrag, der vor allem auf die mangelnde Versorgung mit Wasser der ländlichen Wards darstellte. Auf dieser Grundlage konnte man erneut in eine Diskussion gehen und gemeine Handlungsziele aufstellen. Am Nachmittag wurden diese erneut im Handlungsprogramm festgehalten.

Am vierten und letzten Tag ging es thematisch um das Schwerpunktthema ‚Erhalt der Biodiversität‘. Dies wurde durch einen Vortrag von Kaja Heising, wissenschaftliche Koordinatorin der Wisent-Welt Wittgenstein, eingeläutet. In ihrem Vortrag stellte Sie unter anderem den Nutzen der Wisente für die heimische Biodiversität heraus. Auch unsere Partner konnten über die aktuelle Situation in Morogoro in Bezug auf das Thema Biodiversität berichten. Auch am letzten Tag wurde ausführlich diskutiert und die Ergebnisse erneut im gemeinsamen Handlungsprogramm festgehalten. Der offizielle Part des letzten Tages wurde durch ein kurzes Grußwort unseres Bürgermeisters Bernd Fuhrmann beendet.

Damit auch ein lockerer Austausch nicht zu kurz kam, traf man sich am Abend erneut im virtuellen Raum für einen gemeinsamen ‚Farewell- Abend‘. Hier konnte man die letzten die Tage nochmal Revue passieren lassen, aber auch die ein oder andere private Frage stellen. Die virtuelle Entsendung war in jedem Fall ein Erfolg, wenn auch sehr intensiv. Dennoch wurde auch klar, dass ein virtueller Austausch eine physische Entsendung nicht komplett ersetzen kann, weshalb wir hoffen im kommenden Jahr unsere Partner vor Ort besuchen zu können und einige Projekte so besser in die Umsetzung bringen zu können. 

Abschlussworkshop Berlin

Abschlussworkshop Berlin

Den offiziellen Abschluss hatte das Projekt der Klimapartnerschaft am 16. und 17. November mit einem internationalen Abschlussworkshop in Berlin. Geplant war es, dass hier alle Klimapartnerschaften nochmal zusammenkommen und die erarbeiteten Handlungsprogramme vorgestellt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten jedoch nur drei Partnerkommunen aus dem globalen Süden anreisen. Da die Inzidenzen in Tansania zu diesem Zeitpunkt zu hoch waren, konnten unsere Partner ebenfalls nicht vor Ort dabei sein. Positiv hervorzuheben war jedoch, dass wir die anderen deutschen Kommunen und drei Partnerkommunen persönlich kennenlernen konnten. Nach der Auftaktveranstaltung und einem ersten Netzwerktreffen mussten alle weiteren Treffen in den virtuellen Raum verlegt werden.

Am ersten Tag wurden die Handlungsprogramme der einzelnen Partnerschaften vorgestellt, dies lies einen Einblick in die Arbeit und das weitere Vorhaben der anderen Kommunen zu. Im Anschluss fand eine Posterausstellung statt, wobei nochmals ein konkreterer Austausch stattfinden konnte und einige Detailfragen beantwortet werden. So konnten wir einige Ideen und Inspirationen für unsere Partnerschaft mitnehmen. 

Am zweiten Tag hielt unter anderem Dr. Markus Groth, vom Climate Service Center Germany, einen Vortrag zur kommunalen Anpassungen an die Folgen des Klimawandels – im Vordergrund standen Herausforderungen und Lösungsansätze. Zudem wurde die Möglichkeit geschaffen nochmals virtuell mit den Projektkoordinatoren in Morogoro in Kontakt zu treten und über den weiteren Projektverlauf zu sprechen. Aufgrund erneuter Internetproblematiken in Tansania hatten wir leider nur eine gute halbe Stunde Zeit mit unseren Partnern, dennoch konnte man sich auf einige nächste Schritte festlegen. Zum Ende des Workshops wurde über das weitere Vorgehen in den Partnerschaften diskutiert und das Gesamtprojekt gemeinsam evaluiert.

Insgesamt konnten nach den zwei Tagen nochmal wichtige Ideen und Impulse für die Fortführung der Klimapartnerschaft gewonnen und neue Kontakte geknüpft werden.

Der Abschluss des offiziellen Teiles der Klimapartnerschaft bildet gleichzeitig gewissermaßen den Startschuss für die praktische Umsetzungsphase des Handlungsprogrammes.