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Datum: 19.04.2022

Neue Auszeit-Angebote für pflegende Angehörige

Das Projekt „Auszeit in Südwestfalen“ wächst nachhaltig weiter – und damit auch seine Inhalte. In drei Präventions- und Rehabilitationskliniken in Bad Berleburg, Bad Sassendorf und Horn-Bad Meinberg wurden erstmalig Angebote für pflegende Angehörige entwickelt, die nun an den Start gehen:

  • VAMED-Rehaklinik, Bad Berleburg: Die Unterstützung pflegender Angehöriger ist in der VAMED-Rehaklinik Bad Berleburg nicht neu. Neu ist aber das klinikeigene Angehörigenkonzept: eine Präventions- und Rehabilitationsmaßnahme für „Pflegende Angehörige“. Der lange und nicht selten kräftezehrende Weg einer häuslichen Pflegeaufgabe benötigt Atempausen, um Erschöpfung vorzubeugen und Ressourcen zu stärken. Die Angehörigen stehen hierbei nicht als Begleitpersonen, sondern als Hauptpersonen im Fokus und werden durch ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegefachkräften, Physio- und Sporttherapeuten, Ernährungsberatern, Sozialarbeitern und Psychologen betreut. Die Angehörigen lernen in einem auf sie zugeschnittenen Therapieprogramm mit ihren Ressourcen nach der Rehabilitation schonend umzugehen und eine Balance zwischen der aufreibenden Pflegetätigkeit und Regenerationsphasen zu finden. Das vielfältige Leistungsspektrum umfasst nicht nur die ärztliche Untersuchung, sondern legt viel Wert auf Sport- und Bewegungstherapie. Das Angebot von physikalischen Therapien, Ernährungsberatung und Entspannungstraining runden die Maßnahme ab.  Ab Ende April können pflegende Angehörige die neue Präventions- und Rehabilitationsmaßnahme in der VAMED Rehaklinik Bad Berleburg durchführen.
  • Reha-Klinik Wiesengrund, Bad Sassendorf: Die Reha-Klinik Wiesengrund bietet erstmalig ab Mai ein spezialisiertes Programm für pflegende Angehörige an. Die direkt am Kurpark gelegene Klinik geht insbesondere in der Bewegungs- und Ergotherapie auf die Themen der pflegenden Angehörigen ein. In speziellen Gesprächsgruppen werden Entspannungsverfahren vorgestellt und die Kompetenzen der eigenen Handlungs- und Veränderungsmöglichkeiten erweitert.
  • Mediclin Rose Klinik, Horn-Bad Meinberg: Auf dem Programm der Reha für pflegende Angehörige stehen Bewegungstherapie, Sporttherapie, Entspannung und Stressbewältigung. Zusätzlich wird in Gruppen- und Einzelgesprächen auch die Pflegesituation in den Blick genommen, da viele pflegende Angehörige nur das pflegebedürftige Familienmitglied im Blick haben und sich selbst dabei verlieren.

Ziel der neuen Angebote ist die Stärkung der Menschen, die Familienangehörige pflegen und dabei starken Belastungen ausgesetzt sind. Die Angebote richten sich als „Single-Lösungen“ zunächst an die Pflegenden (Pflegepersonen) selbst. Das bedeutet, dass für die Zeit der Reha eine Ersatzpflege für die pflegebedürftigen Angehörigen am Wohnort organisiert werden muss. Es bestehen in Westfalen aber auch bereits Angebote für sogenannte „Tandem-Lösungen“, bei denen die Pflegenden und die Pflegebedürftigen gemeinsam in einem Kurort und gegebenenfalls sogar in einem Haus untergebracht werden.

Projekte laufen seit vergangenem Sommer

Seit Juli 2021 laufen die Projekte „Auszeit in Südwestfalen“ und „Auszeit in Ostwestfalen-Lippe“. Beide Projekte haben sich jeweils im Rahmen der dortigen REGIONALE qualifiziert, verfolgen – in enger Verzahnung miteinander – dieselben Ziele und werden mit Mitteln des Landesförderplans „Alter und Pflege“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Hauptziel ist es, neue Kur-Angebote für pflegende Angehörige zu entwickeln, um die familiäre Pflege zu stützen und zu sichern. Der Bedarf ist groß, eine dynamische Entwicklung der Nachfrage ist abzusehen. Die Zahl und Auswahl der Angebote in Nordrhein-Westfalen ist bisher aber nicht ausreichend.

Bandbreite an Angebotsmöglichkeiten

Insgesamt 16 Kurorte und Heilbäder engagieren sich in den Projekten: Bad Berleburg, Bad Laasphe, Bad Sassendorf, Brilon, Erwitte/Bad Westernkotten, Lippstadt/Bad Waldliesborn, Olsberg, Schmallenberg und Winterberg (alle in Südwestfalen) sowie Bad Driburg, Bad Lippspringe, Bad Oeynhausen, Bad Salzuflen, Bad Wünnenberg, Horn-Bad Meinberg und Preußisch Oldendorf-Bad Holzhausen (alle in Ostwestfalen-Lippe). Die individuellen Ausstattungen der Kurorte und Heilbäder sowie die große Fachkompetenz in Medizin und Therapie schaffen eine Bandbreite an Angebotsmöglichkeiten.

Anspruch auf Reha

Menschen, die ihre Angehörigen als eingetragene Pflegepersonen über einen längeren Zeitraum zuhause betreuen, haben regelmäßig ein Anrecht auf eine Rehabilitationsmaßnahme. Für Interessierte steht in NRW ein landesweites Netz mit 136 Kurberatungsstellen mit kompetenten Ansprechpartnern zur Verfügung Träger dieses Projektes sind die AW Kur und Erholungs-GmbH und der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn. Auch dieses Projekt wird vom Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt gemäß Prognose des Bundesministeriums für Gesundheit von aktuell etwa 4,1 Millionen Menschen – davon fast eine Million in NRW – bis zum Jahr 2030 auf 4,6 Millionen Personen weiter an. Rund drei Viertel aller Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt. Angesichts der Personalnot in der Pflege und der demographischen Entwicklung in Deutschland wird die Bedeutung der häuslichen Versorgung weiter zunehmen. Die Pflegenden – in der Regel pflegende Angehörige – sind oft hohen körperlichen und seelischen Belastungen ausgesetzt. Daraus entsteht die Notwendigkeit, dass für Pflegepersonen ausreichend Möglichkeiten für Auszeiten mit Erholung und medizinischer Rehabilitation angeboten und diese möglichst unbürokratisch in Anspruch genommen werden können. Dabei ist auch jeweils die Versorgung der Pflegebedürftigen während der Auszeiten sicherzustellen. Nähere Informationen zum Projekt „Auszeit in Südwestfalen“ gibt es für Südwestfalen unter www.auszeit-in-swf.de und bei Projektleiter Lars Vornheder unter Tel. 02921 94334-55. Eine Kurberatungsstelle in ihrer Nähe finden Interessierte auf der Internetseite www.kuren-fuer-pflegende-angehoerige.de. Für Ostwestfalen-Lippe gibt es Informationen unter www.urbanland-owl.de/projekte/auszeit-in-owl und bei Projektleiter Roland Claaßen unter Tel. 0521 96733-281. Eine Kurberatungsstelle in ihrer Nähe finden Interessierte auf der Internetseite www.kuren-fuer-pflegende-angehoerige.de.